Riesentorlauf-Spezialist Daniel Meier geht in seine zweite Saison ohne ÖSV-Kaderstatus. Im großen Interview sprach der 28-Jährige über seine Ziele, was in der letzten Saison falsch lief und worüber er sich dennoch mehr freute als Olympiagold. Auch „Krone Vorarlberg“-Skikolumnist Magnus Walch, der ein langjähriger Weggefährte Meiers ist, macht sich in seinem „Schwung-Ansatz“ einige Gedanken zur Situation des Noflers.
Die Leidenschaft für den Skisport und das tiefe Verlangen nach Wettkampf sind voll präsent. Daniel setzt noch einmal alles auf eine Karte. Der Blick zurück: Eine prägende Saison liegt hinter ihm. Eine Saison, nach der nicht viele Resultate auf der Haben-Seite stehen. Eine Saison, in der er im Gegenzug aber sehr viel an Erfahrung gewinnen konnte. Aus der Komfortzone des ÖSV herausgerissen zu werden, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein und Organisation, Planung und Finanzierung selbst in die Hand nehmen zu müssen ist eine Mammutaufgabe. Nach einer negativen Kader-Entscheidung steht man zuerst einmal fast hilflos da.
Wie soll ich mich auf die nächste Saison vorbereiten, mit welchem Trainer und wie finanziere ich das alles? Wie überzeuge ich einen potenziellen Sponsor, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der aus ÖSV-Sicht nicht gut genug für einen Kaderplatz ist? Anders als viele andere Athleten, die mit dieser Situation überfordert sind und aufgeben, hat Daniel diesen Schritt in kürzester Zeit gemeistert. Der Verbandsathlet muss daran keinen Gedanken verschwenden, kann in dieser Zeit sein Gehirn auf Urlaub schicken. Und das ist auch gut so, dafür ist ein Verband ja da. Trainer, Servicemann, Physiotherapeut - selbstverständlich. Organisation, Planung, Finanzierung - alles abgedeckt. Für Stars wie Marcel Hirscher wurden sogar die Hotelbetten vor einer Saison vom Masseur probegelegen. Das ist buchstäblich Leben in der Komfortzone.
Oft ist es die eine Chance, deren Ausgang über die nächsten Wochen und Monate entscheidet.
"Krone Vorarlberg"-Skikolumnist Magnus Walch
Performen müssen diese Athleten aber am Tag X natürlich wie Athleten ohne ÖSV-Kaderstatus auch selbst. Letztere können sich jedoch vor einer internen Quali für den Weltcup-Auftakt in Sölden zum Beispiel nicht mit den Teamkollegen messen, sich nicht den Trainern und Entscheidungsträgern vorab präsentieren. Oft ist es die eine Chance, deren Ausgang über die nächsten Wochen und Monate entscheidet. Die Form passte letztes Jahr, aber als es drauf ankam, lieferte Daniel nicht ab. „Ich bin am Gesamtdruck, der Gesamtsituation gescheitert“, erzählt er in unserem Interview. Und das kann ich nur zu gut nachvollziehen. Jedem Sponsor, jedem einzelnen Unterstützer und natürlich auch der eigenen Familie will man etwas zurückgeben. Und auch sich selbst will man zeigen, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Da soll noch ein Mentaltrainer sagen, man solle sich doch keinen Druck auferlegen.
Das Leben außerhalb der Komfortzone ist definitiv stressiger und Gehirn und Nerven müssen nicht wenige unbezahlte Überstunden leisten. Das Leben außerhalb der Komfortzone ist aber auch spannend, birgt Herausforderungen, an denen man wachsen kann. Daniel kennt dieses Leben jetzt und hat aus dem letzten Jahr gelernt. Der Druck ist natürlich wieder da. Jetzt ist Daniel aber darauf vorbereitet.
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