Ach, übrigens...

Kamelkalamitäten

Vorarlberg
02.08.2021 18:55

„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl freut sich über die frühzeitige Olympia-Rückkehr eines maghrebophilen Radtrainers.

Kamelrennen haben, um bei nichtolympischen Sportarten zu bleiben, eine lange Tradition, vor allem in arabischen Ländern und in Australien. Während Abu Dhabi und Dubai so etwas wie den Ascot Racecourse oder das Vincennes Hippodrome de Paris dieser Sportart darstellen, liegt die letzte deutsche Austragung auf der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch schon ein gutes halbes Jahrhundert zurück und dennoch scheint die Veranstaltung im Jahr 1969 (oder waren es die begeisterten Erzählungen davon?) zumindest bei einem olympischen Funktionär derart tiefen Eindruck hinterlassen zu haben, dass er sich bemüßigt gefühlt hat, kurzerhand einschlägiges Vokabular in sein aktuelles Wirken einfließen zu lassen.

Patrick Moster heißt der junge Mann, der zwei Jahre vor dem Weidenpesch-Spektakel in Offenbach an der Queich das Rücklicht der Welt erblickte und als aktiver Radrennfahrer immerhin eine Etappe der Österreich-Rundfahrt von Sillian nach Drobollach und zudem die Gesamtwertung der Tunesien-Rundfahrt gewinnen konnte. In letzterem Triumph aus dem Jahr 1997 dürfte wohl der Grund dafür liegen, dass Moster, heute Sportdirektor des Bundes deutscher Radfahrer, in seinem „Bekanntenkreis auch Freunde aus Nordafrika“ hat, wie er der Weltpresse vor ein paar Tagen mitteilte.

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Das wiederum fand nun außer Moster, der wohl allen Ernstes geglaubt hatte, mit einem lapidaren „Schulligung“ sei die Sache aus der Welt, niemand akzeptabel.

Harald Petermichl

Das allein wäre vermutlich keine Schlagzeile wert gewesen, die Vorgeschichte aber durchaus: Beim olympischen Einzelzeitfahren hatte es der maghrebophile Patrick nämlich vorgezogen, seinen Schützling Nikias Arndt nicht mit subtilen sportpsychologischen Motivationsmethoden, sondern eher mördergrubenfrei mit „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm!“ zu Höchstleistungen anzustacheln, sollte dieser doch möglichst rasch die vor ihm gestarteten Velozipedkollegen Azzedine Lagab aus Algerien und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea überholen.

Das wiederum fand nun außer Moster, der wohl allen Ernstes geglaubt hatte, mit einem lapidaren „Schulligung“ sei die Sache aus der Welt, niemand akzeptabel, weshalb ihm der Deutsche Olympische Sportbund, wenn auch viel zu spät und erst auf sanften Druck des IOC, ein Spontan-Rückflugticket nach Good Old Germany in die Hand gedrückt hat. Bleibt zu hoffen, dass er alle Ansichtskarten mit Grüßen aus der Nippon-Metropole an seine nordafrikanischen Freunde schon aufgegeben hatte und es bleibt zudem die Bewunderung für Azzedine Lagab, der, nach seiner Meinung zum Vorfall befragt, Größe und Humor bewies, indem er twitterte: „Es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport.“

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