Israel besorgt
Zwei iranische Kriegsschiffe fahren durch Suezkanal
Die ägyptischen Behörden erlaubten den beiden iranischen Kriegsschiffen - eine Fregatte und ein Versorger - am Montagmorgen das Passieren des 163 Kilometer langen Kanals. Dies dauert in der Regel zwischen zwölf und 14 Stunden. Die Fregatte "Alwand" und das Versorgungsschiff "Charg" werden am Dienstagabend an der Mündung zum Mittelmeer erwartet. Die "Alwand" ist in der Regel mit Torpedos und Schiffsabwehrraketen ausgestattet, die "Charg" mit ihrer 250-köpfigen Besatzung hat unter anderem Kapazitäten für den Transport von drei Helikoptern, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete.
Teheran: "Routine"-Fahrt nach Syrien
Aus diplomatischen iranischen Kreisen hatte es geheißen, die beiden Kriegsschiffe absolvierten eine "Routine"-Fahrt nach Syrien, die von kurzer Dauer sei. Auf ihrem Weg dorthin müssen sie zwangsläufig die israelische Küste passieren. Nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA hat keines der Schiffe mit Marinekadetten an Bord chemisches oder atomares Material geladen. Ein Mitarbeiter der Suezkanal-Gesellschaft sagte, die Iraner hätten für die Durchfahrt etwa 200.000 US-Dollar bezahlen müssen.
Die beiden Kriegsschiffe wurden in den 1970er-Jahren in Großbritannien gebaut. Es war das erste Mal seit der islamischen Revolution im Iran 1979, dass Kriegsschiffe des Landes den Kanal passieren, der durch Ägypten hindurch das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Die Durchfahrt war den Iranern zuvor mehrfach verweigert worden. Unter dem nun gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak waren die Beziehungen zwischen Ägypten und dem Iran jahrelang sehr schlecht.
Israel fürchtet wachsenden Einfluss des Iran
Durch den Abgang Mubaraks am 11. Februar in Ägypten hat Israel einen wichtigen Garanten für Stabilität in der Region verloren. Die israelische Regierung beobachtet die Entwicklung im Nachbarland mit wachsender Sorge und überdenkt derzeit seine Militärstrategie. Im Zentrum steht für die Regierung dabei die Frage, wie es sich gegen den Iran, der auch die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützt, wappnen kann. Israel fühlt sich von Teheran und seinem Atomprogramm existenziell bedroht, vor allem angesichts der häufigen israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an Atomwaffen zu arbeiten.
"Es handelt sich um eine beispiellose militärische Präsenz des Iran im Mittelmeer", erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Igal Palmor. Die internationale Gemeinschaft müsse entschlossen reagieren. Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte erklärt, es handle sich um eine Machtdemonstration Teherans. "Wir können nun die Instabilität in der Region beobachten, in der wir leben", erklärte er. "Der Iran versucht, aus der Instabilität Profit zu ziehen und seinen Einflussbereich zu vergrößern."
Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silvan Schalom sprach von einer "Provokation". Ziel des Irans sei es, "den Führern der arabischen Welt zu zeigen, wer der neue Herrscher in Nahost ist". Die Passage der iranischen Schiffe sei "Teil eines umfassenden Kampfes, den der Iran um die Führung und Kontrolle im Nahen Osten führt."
Ägyptische Regierung und Experten beschwichtigen
Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Hossam Saki, hatte zur der Durchfahrterlaubnis für die Iraner am Montag erklärt: "Dies ist keine Änderung in der ägyptischen Außenpolitik." Ägypten dürfe gemäß der Konvention von Konstantinopel aus dem Jahr 1888 nur die Durchfahrt von Schiffen verhindern, mit denen sich Ägypten im Kriegszustand befinde.
Auch Experten sahen keinen Grunde, dem Iran die Durchfahrt zu verwehren. Der Völkerrechtler James Kraska vom US Naval War College sagte, solange die Iraner keine aggressiven Operationen in dem Gebiet ausführten, hätten sie wie jedes andere Land das Recht, den Kanal zu nutzen. Christian Le Miere vom International Institute for Strategic Studies sagte, eine ernsthafte Bedrohung für irgendjemand durch die Schiffe sei kaum zu erkennen. "Zwei Kriegsschiffe machen noch keine Flotte", sagte er.











Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.