02.07.2021 14:55 |

Schönste Wanderrouten

Blick durch ein geologisches Zeitfenster

Eis und Wasser haben die Bürser Schlucht über tausende von Jahren geformt. Eine Wanderung durch das Naturdenkmal ist ein Ausflug in die Erdgeschichte.

Die Bürser Schlucht ist jetzt im Sommer nicht nur ein kühles Fleckchen reizvoller Natur, sondern sie bietet auch seltene Einblicke in die jüngere Erdgeschichte. Aufgrund des fast urwaldähnlichen Baumbestandes gilt sie zudem als eine der landschaftlich schönsten Schluchten der Alpen. Die normalerweise dominierende Fichte tritt in diesem Gebiet zurück. Im feuchten und schattigen Bereich zwischen Fels und Wasser wächst ein Laubmischwald mit Buchen und Hainbuchen. Eschen und Feldahorn gehören wie die Hasel zur Weichholzaue, vereinzelt gedeihen auch Eiben.

Als Weichholzaue bezeichnet man einen direkt am Flussufer wachsenden, überwiegend aus Weichhölzern gebildeten Auwald, der häufig überschwemmt wird. Die Pflanzen sind dabei regelmäßig Belastungen durch Wasserströmung oder Eisgang ausgesetzt. Diese Kräfte sind es auch, die der Bürser Schlucht über die Jahrtausende hinweg ihr heutiges Aussehen verliehen haben. Denn nach dem Rückgang der Gletscher hat sich der Alvierbach in den Schotter eingegraben und so die fast fünf Kilometer lange Schlucht geschaffen. 

Ideale Wanderung für Familien
Der Weg durch das Naturdenkmal ist nicht sonderlich beschwerlich und daher bei Einheimischen und Touristen beliebt. Startpunkt ist beim Elektrizitätswerk Lug. Direkt von dort führt ein beschilderter Pfad den Wanderer entlang des Alvierbachs taleinwärts. Gleich zu Beginn werden imposante Gesteinsformationen passiert: Das sogenannte „Bürser Konglomerat“, durch das sich die Wassermassen seit Ende der letzten Eiszeit gegraben haben, ist mittlerweile ob seiner typischen Ausprägung zu einem geologischen Fachbegriff geworden.

Diese Gesteinsform ist vor allem in den südlichen Seitentälern des Rätikons zu finden. Durch kalkhaltige Bindemittel hat sich der rundkörnige Schotter zu einem Konglomerat verfestigt und ist nach dem Rückgang des Hauptgletschers als senkrechte Felswand stehen geblieben. Der hinter dem Bürser Kirchturm emporragende „Stellenschrofen“ ist durch das Geschiebe des Alvierbaches aus dem Alviertal - dem heutigen Brandnertal - entstanden.

Und noch eine Besonderheit gibt es auf dieser Wanderung zu entdecken: Durch das Quellwasser, das unterirdisch das Konglomerat durchflossen hat, wurde Kalk gelöst. Im Kontakt mit der Luft wird dieser wieder ausgeschieden, das Wasser baut so einen Tuffkegel auf. Dieses Gestein, das jährlich einige Millimeter wächst, „versintert“ Vegetationsreste. Soll meinen: Moos, Reisig und Blätter werden dabei versteinert. Durch die Wassermassen wurden auch Gneisblöcke freigespült, die einst vom Illgletscher stammten. Abwechslungsreich

Abwechslungsreich und naturbelassen
Der Schluchtweg führt abwechselnd auf dem naturbelassenen Pfad sowie schmalen Holzbrücken durch die Klamm. Dabei wird öfters die Flussseite gewechselt. Dem Wanderer bietet sich zudem die Möglichkeit, dem Pfad nach „Schaß“ oder „Spial“ zu folgen. Auch auf diesen Hochflächen lagern Moränen und Gneisblöcke als Zeugen der zwischeneiszeitlichen Ausformung dieser Landschaft - eine Seltenheit in den Alpen.

Wer sich dazu entschließt auf der rechten Uferseite des Alvierbaches durch den Wald aufzusteigen, der gelangt schließlich nach Bürserberg. Ansonsten führt die Strecke über das sogenannte „Kuhloch“. So wird eine trockene Klamm genannt, die in Schotter eingegraben ist und ihren Namen wohl durch darin verunglücktes Vieh erhalten hat. Über den Waldweg geht es dann retour nach Bürs.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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