02.07.2021 07:49 |

Traf Angehörige

Hauseinsturz in Miami: Biden besuchte Unglücksort

Eine Woche nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida ist Präsident Joe Biden am Donnerstag an den Unglücksort gereist. Biden kam in Surfside nahe Miami mit Behördenvertretern zusammen, um sich über den aktuellen Stand des Rettungseinsatzes zu informieren, und sagte die volle Unterstützung des Bundes zu. Gemeinsam mit seiner Frau Jill traf er Rettungskräfte, um ihnen für ihren Einsatz zu danken.

Der US-Präsident führte auch Gespräche mit Familien, die um das Leben ihrer Angehörigen bangen oder jemanden verloren haben. Nach einem Treffen mit Überlebenden und Verwandten der Vermissten sagte Biden: „Sie gehen durch die Hölle.“ Die Angehörigen seien „realistisch“ und wüssten, dass die Überlebenschancen mit jedem Tag etwas geringer würden, sagte er. Viele seien auch besorgt, weil sie fürchteten, ihre Lieben noch nicht einmal ordentlich bestatten zu können.

Biden traf Rettungsteam
Das Schlimmste sei jedoch die Ungewissheit. „Es ist schlimm, jemanden zu verlieren. Aber das Schwierige, das wirklich Schwierige ist, nicht zu wissen, ob jemand überlebt hat oder nicht“, sagte Biden. Der Präsident hatte sich für das Treffen mit den Angehörigen in Miami rund drei Stunden Zeit genommen. „Ich fand es wichtig, mit jedem Einzelnen zu sprechen, der mit mir sprechen wollte“, sagte Biden.

Zuvor hatte sich Biden in der Nähe der Unglücksstelle in Surfside von Behördenvertretern über den aktuellen Stand des Rettungseinsatzes informieren lassen. Die Zahl der in den Trümmern geborgenen Todesopfer liegt inzwischen bei 18 - darunter auch zwei Kinder. Fast 150 Menschen gelten noch als vermisst. Befürchtet wird daher, dass sich die Zahl der Toten noch deutlich erhöhen dürfte. Die Bergungsarbeiten laufen seit einer Woche rund um die Uhr.

Suche nach Verschütteten kurzzeitig gestoppt
Donnerstagfrüh, also kurz vor Bidens Ankunft, musste die Suche nach Verschütteten wegen Sorge um die Stabilität des noch stehenden Gebäudeteils vorübergehend gestoppt werden. Mit dem Besuch des Präsidenten habe die Pause aber nichts zu tun, betonten die Behörden. Der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Alan Cominsky, erklärte, Experten, die den Zustand des stehenden Gebäudeteils kontinuierlich überwachten, hätten Veränderungen beobachtet, die den Stopp erforderlich gemacht hätten. Die Sicherheit der Suchtrupps müsse gewährleistet werden. Die Suche werde sofort weitergehen, sobald dies sicher sei.

Am späten Donnerstagnachmittag (Ortszeit) seien die Such- und Rettungsarbeiten wieder aufgenommen worden, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, am Abend. Der verbliebene Gebäudeteil solle eingerissen werden, sagte Levine Cava weiter.

Fast 150 Personen immer noch vermisst
Das Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war vergangene Woche in der Nacht auf Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht. Seitdem läuft die verzweifelte Suche nach Verschütteten. Mehrere Hundert Retter waren in den vergangenen Tagen rund um die Uhr im Einsatz - mit Spürhunden, Spezialkameras, Horchinstrumenten und schwerem Gerät. Fast 150 Menschen werden noch vermisst.

Biden dankte den Rettungskräften bei seinem Besuch für ihren Einsatz. „Was Sie tun, ist unglaublich“, sagte der Präsident bei einem Treffen mit Suchtrupps. Der Einsatz sei gefährlich und auch psychisch sehr hart. Er rief die Helfer auf, vorsichtig zu sein.

Zahl der Todesopfer steigt
Kurz nach dem Unglück hatten Einsatzteams zunächst mehrere Dutzend Menschen retten können. In den vergangenen Tagen verkündeten die Behörden jedoch nur noch düstere Nachrichten.

Allein am Mittwoch hatten die örtlichen Behörden den Fund von sechs weiteren Todesopfern gemeldet - darunter zwei Kinder im Alter von vier und zehn Jahren. Levine Cava beklagte, jeder Verlust von Menschenleben sei eine Tragödie, doch der Verlust von Kindern sei „unerträglich“ und „schrecklich“.

Ursache weiterhin unklar
Der als Champlain Towers South bekannte Wohnkomplex stammt aus den 1980er-Jahren. Die Ursache des Einsturzes ist noch unklar. In den vergangenen Tagen war ein von einer externen Firma verfasster Inspektionsbericht aus dem Jahr 2018 öffentlich geworden, in dem Experten mehrere Mängel - darunter auch größere strukturelle Mängel am Beton des Gebäudes - aufgelistet hatten.

US-Medien berichteten außerdem über Schreiben der Hausverwaltung, die mit Verweis auf strukturelle Risiken Millionensanierungen anmahnte. Ermittler werden der Frage nachgehen, ob die offenbar fälligen Sanierungen mit dem Einsturz zusammenhingen. Auch das Nationale Institut für Standards und Technologie, das dem US-Handelsministerium untergeordnet ist, kündigte eine Untersuchung zu dem Einsturz an. 

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