21.06.2021 16:00 |

„Krone“-Interview

Tratter zu MCI-Neubau: Brauchen solides Fundament

135 Millionen Euro sollen in den Neubau des Management Center Innsbruck (MCI) fließen. Der zuständige ÖVP-Landesrat Johannes Tratter verteidigt sein Vorgehen und stellt einen Baustart im Herbst in Aussicht.

„Krone“: Der MCI-Neubau hängt schon wieder in der Warteschleife, warum?
LR Tratter: Vorausschickend darf ich festhalten, dass der MCI-Neubau und seine rasche Umsetzung weiter höchste Priorität haben. Die wesentlichen Schritte wurden bereits gesetzt. Aktuell läuft aufgrund einer formellen Entscheidung ein erneuter Nachprüfungsantrag am Landesverwaltungsgericht. Wir befinden uns derzeit im vorgesehenen Zeitplan.

Zum Verfahren kam es wegen eines Formalfehlers. Wer ist dafür verantwortlich?
Der Verfassungsgerichtshof hat den ersten Zurückweisungsbeschluss des LVwG hinsichtlich der Nachprüfungsanträge aufgehoben, woraufhin ein weiterer Antrag auf Fortsetzung des Nachprüfungsverfahrens beim Landesverwaltungsgericht Tirol eingebracht wurde. Wir sind aber zuversichtlich, dass auch dieser abgewiesen wird und vor dem Verfassungsgerichtshof hält - auch vor dem Hintergrund, dass zahlreiche weitere Begründungen für eine Entscheidung im Sinne des Landes und ein Ausscheiden der ursprünglichen Architekten sprechen.

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Es geht mir nicht darum, jemanden die Schuld für etwas in die Schuhe zu schieben.

LR Tratter

Es geht mir nicht darum, jemanden die Schuld für etwas in die Schuhe zu schieben. Wichtig ist, auch das rechtliche Fundament für ein sauberes Projekt zu schaffen. Daher nehmen wir die Klärung vor Gericht sehr ernst. Unverständlich ist, aus welchem Grund die Architektenkammer die Kosten für die Anwälte der Architekten im Zuge des laufenden Verfahrens übernimmt. Eine Interessensvertretung ist in diesem Fall nicht nachvollziehbar.

Es gibt noch kein Siegerprojekt aus dem Architektenwettbewerb. Wann wird es so weit sein?
Für den derzeit laufenden Architekturwettbewerb „Neubau MCI Campus“ ist die Arbeitsgemeinschaft Porr/Ortner, die als Sieger des Vergabeverfahrens, welches in Form eines wettbewerblichen Dialogs abgewickelt wurde, als Totalunternehmer verantwortlich. Der Architekturwettbewerb läuft auf Hochtouren und wird abgeschlossen, sobald alles Rechtliche geklärt ist.

Es gibt fix und fertige, bezahlte Pläne für den MCI-Neubau am Fennerareal und jetzt auch einen Generalunternehmer. Warum setzt dieser nicht die alten Pläne, passend verändert, um?
Die detaillierte Analyse des Siegerprojektes hat damals eine klare Kostenüberschreitung ergeben. Daher haben wir die Stopp-Taste gedrückt und das Projekt neu aufgerollt – ein solch zukunftsweisendes Projekt darf nicht von Beginn an unter einem schlechten Stern stehen. Die Planungstiefe in der damaligen Projektphase entspricht auch nicht jener der Ausführungsplanung, die zur Umsetzung des Projektes bei der Bauausführung notwendig ist.

Was wird am neuen Projekt so wesentlich besser als beim alten? Die Kubatur bleibt ja annähernd dieselbe.
Wir haben das Vergabeverfahren nun in Form eines wettbewerblichen Dialogs ausgeschrieben und haben damit einen neuen Weg eingeschlagen, der auch vom Landesverwaltungsgericht bestätigt wurde. Die Stärke des wettbewerblichen Dialogs liegt in der Möglichkeit, alle Aspekte des Vorhabens im Rahmen der Dialogrunden zwischen Auftraggeber und Teilnehmenden gemeinsam zu optimieren.

Was sagen Sie zu dem oft gehörten Argument, man hätte am alten Projekt festhalten sollen, dann würde jetzt der Rohbau schon stehen, bei ähnlich hohen Kosten?
Eine Realisierung des alten Projektes war unter Einhaltung des geforderten Raum- und Funktionsprogramm schlicht und einfach nicht möglich, da der Vorentwurf bereits eine deutliche Budgetüberschreitung der damals vereinbarten Budgetvorgabe aufwies.

Hält denn die Baukostenobergrenze von 135 Millionen angesichts der Preissprünge am Bausektor?
Das gewählte, innovative Partnerschaftsmodell ermöglicht eine „Design to Cost“-Abwicklung des Projektes. Diese Methode gewährleistet einerseits die Einhaltung des vorgegebenen Kostendeckels, andererseits die Umsetzung des für den Nutzer bestmöglichen Projektes innerhalb des definierten Kostenrahmens.

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Der Baustart im Herbst liegt im Bereich des Möglichen.

LR Tratter

Bleibt es beim Baustart im Herbst?
Der weitere zeitliche Projektverlauf ist vom Siegerprojekt aus dem Architekturwettbewerb „Neubau MCI Campus“ abhängig – der Baustart im Herbst liegt im Bereich des Möglichen.

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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