Juwelen gestohlen?
Berlusconi-Bekannte “Ruby” muss vor Gericht
Die 18-Jährige, deren Dienste Berlusconi in Anspruch genommen haben soll, muss am 23. Februar vor dem Jugendgericht der sizilianischen Stadt Messina erscheinen. Sie soll das sündteure Armband aus Gold und Diamanten gestohlen haben, während sie in einem Schönheitssalon in Messina arbeitete.
Das angebliche Callgirl, das mit bürgerlichem Namen Karima al-Mahroug heißt, weist die Vorwürfe zurück. Sie sagt, von der Inhaberin des Schönheitssalons des Diebstahls beschuldigt worden zu sein, weil sie nicht eingewilligt habe, Sex mit Kunden zu haben.
Intervention nach Verhaftung?
"Ruby" - im Bild bei einem Fernsehauftritt in einer italienischen Talkshow - ist bei den Justizbehörden längst bekannt. Am 27. Mai, nachdem die damals noch 17-Jährige wegen des angeblichen Diebstahls von mehreren Tausend Euro Bargeld in der Wohnung einer Freundin festgenommen worden war, soll sich Regierungschef Berlusconi persönlich bei der Mailänder Polizei eingeschaltet haben.
Nach Aussagen der Polizei erwirkte Berlusconi ihre Freilassung, indem er behauptet habe, dass das Mädchen eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sei. Deswegen müsse der Fall ohne großes Aufsehen gelöst werden.
"Ruby" besorgt Berlusconi im Fernsehen weiße Weste
Wegen seiner Beziehung zu "Ruby" wird gegen Berlusconi wegen Amtsmissbrauch und Beihilfe zur Prostitution ermittelt. Sex mit Prostituierten ist in Italien erlaubt, Geschlechtsverkehr mit minderjährigen Prostituierten steht hingegen unter Strafe. "Ruby" selbst sagte vergangene Woche im italienischen Fernsehen, Berlusconi habe sie "nicht ein einziges Mal berührt".
Auch sonst verlieh das Mädchen dem Premierminister eine weiße Weste: "Ich schätze Berlusconi als Mensch, weil er mir geholfen hat, ohne dafür etwas zu verlangen. Er hat mir 7.000 Euro geschenkt, ich kann nur Gutes über ihn sagen", erklärte die 18-Jährige, die bestreitet, ein Callgirl zu sein. Gegenüber Berlusconi, den sie bei einem Abendessen in dessen Villa kennengelernt habe, habe sie ihr wahres Alter verheimlicht und stets behauptet, sie sei 24 Jahre alt.
Die Mailänder Staatsanwaltschaft hatte etwa ein Jahr lang vor allem die vielen jungen Frauen abgehört, die bei den zahlreichen Abendessen des Ministerpräsidenten als "Aufputz" zu Gast waren. Dabei hatte es auch geheißen, "Ruby" habe Berlusconi erpresst und fünf Millionen Euro für ihr Schweigen über die gemeinsame Beziehung gefordert. Al-Mahroug bestritt bei ihrem TV-Auftritt, auch nur einen Cent vom Premier gefordert zu haben. Die heutige Nachtclub-Tänzerin berichtete in der Talkshow dafür von ihrer schweren Kindheit. Mit neun Jahren sei sie von zwei Onkeln vergewaltigt worden. Die Familie zog nach Sizilien. Von ihrem Vater sei sie geschlagen worden, dann sei sie von zu Hause geflohen.
Fast jeder zweite Italiener für Rücktritt Berlusconis
Die Affäre um das junge Mädchen scheint Berlusconi indes immer mehr zu schaden. Fast jeder zweite Italiener ist laut einer neuen Umfrage der Ansicht, dass der Regierungschef seinen Hut nehmen sollte. 49 Prozent der Befragten sprechen sich für Berlusconis Rücktritt aus, wie der "Corriere della Sera" am Sonntag berichtete. 45 Prozent der Befragten wollten Berlusconi weiter im Amt sehen.
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