Im Reich der Mitte

Tiroler (22) tauscht Uni gegen Kung-Fu-Schule in China

Tirol
23.01.2011 16:45
Die Kampfsportart Kung Fu und Chinesisch haben es Tobias Inti Obermayr (22) aus Angerberg angetan: Um beides einmal perfekt zu beherrschen, bricht er sein Studium der Geografie und Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck ab und übersiedelt am Mittwoch nach China. Vermutlich das gesamte Jahr wird er im "Reich der Mitte" bleiben.

Obermayr hat bereits ein bewegtes Leben hinter sich: In Innsbruck geboren, übersiedelte er im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern in die USA und lebte drei Jahre dort. Dann ging’s zurück in die alte Heimat Tirol, wo sich der junge Mann schon in früher Jugend für diverse Kampfsportarten interessierte: "Ich habe Taekwondo, Judo und das brasilianische Capoeira gelernt." Vorrang hatte aber immer die Ausbildung: Nach der Matura und dem Zivildienst bei der Lebenshilfe in Wörgl absolvierte Obermayr ein drei Monate dauerndes Praktikum für erneuerbare Energien in Berlin, ehe er sein Studium in Innsbruck begann.

Liebe zu China entfachte bei Rundreise
Ein Besuch seiner Cousine in Shanghai mit anschließendem fünfwöchigen China-Aufenthalt im März 2009 entfachte die Liebe des Tirolers zu China so richtig. "Ich habe bei der Rundreise mit dem Zug gewaltige Gebirgszüge, Nationalparks und in den Wudang-Bergen das Zentrum für die Ausbildung in Tai Chi kennengelernt. Dort ging ich zweieinhalb Wochen in die Schule: Sechs Tage die Woche wurde täglich sechs Stunden trainiert, die übrige Zeit meditiert. Es gab kein Fernsehen, kein Telefon – wir konnten uns nur auf Tai Chi konzentrieren. Nebenbei habe ich angefangen Chinesisch zu lernen."

Weiter führte die Reise zum berühmten Shaolin-Tempel: "Der Tempel selbst ist eigentlich was für Touristen. Abseits aber gibt es viele Schulen, die Kung Fu lehren. Rund 40.000 Schüler sind dort in Ausbildung, die in China viel wert ist und mit einem Studium vergleichbar ist. Absolventen werden häufig Polizisten oder Leibwächter. Ich nahm drei Tage Unterricht bei verschiedenen Meistern und mir war sofort klar: Hierher muss ich wiederkehren…"

"Lebensunterhalt bestreite ich mit Ersparnissen"
Zurück in Österreich belegte Obermayr neben dem Studium einen Chinesisch-Kurs und eröffnete jüngst seinen Eltern: "Ich breche das Studium ab und gehe nach China. Gefreut hat sie es nicht, aber der Vater zahlt mir den Flug nach China. Den Lebensunterhalt dort bestreite ich mit meinen Ersparnissen."

Über seine Erlebnisse auf der ungewissen Reise durch das "Reich der Mitte" wird Tobias Inti Obermayr ("Inti ist der Sonnengott und der Gott der Regenbögen in der Mythologie der Inka") in unregelmäßigen Abständen in der "Tiroler Krone" berichten.

von Günther Krauthackl, Tiroler Krone

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