Tunesien-Proteste
Clan des Ex-Präsidenten kaufte Villen in Frankreich
Eingetragen wurde die Immobilie demnach auf den Namen des sechsjährigen einzigen Sohns des Paares, Mohammed. Ben Alis Schwiegersohn erwarb einige Monate zuvor für 37 Millionen Euro ein Herrenhaus im Marais, einem Pariser Stadtviertel mit zurzeit steigenden Preisen. Jetzt hat die "Jasmin-Revolution" dem geflüchteten Herrscherclan einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Als Angehörige Ben Alis vor einer Woche in Paris landeten, um ein diskretes Wochenende in Euro-Disneyland zu verbringen, drängten die französischen Behörden die neuerdings unwillkommenen Gäste höflich, aber unmissverständlich zu einer raschen Abreise in Richtung Saudi-Arabien, wo Ben Ali Unterschlupf gefunden hat.
"Mafiaähnliche Herrscher"
Als "mafiaähnlich" beurteilte die US-Botschaft in Tunesien laut WikiLeaks das Herrschaftssystem des vom Westen lange Zeit gehätschelten Staatschefs und seiner Familie. Unter dem Vorwand, gegen islamischen Extremismus anzukämpfen, würden in dem nordafrikanischen Land Medien, Gewerkschaften und Opposition rücksichtslos unterdrückt. Schwerste Korruptionsvorwürfe wurden von Regimekritikern gegen Ben Alis Ehefrau und deren Bruder Mourad Trabelsi erhoben, die hinter den Kulissen die Fäden gezogen und sich auch am Drogenhandel enorm bereichert haben sollen.
Zahlreiche Kritiker des Trabelsi-Clans landeten im Gefängnis. Die tunesische Exilpresse in Frankreich berichtete über Vettern- und Günstlingswirtschaft, Filz und Korruption im Umfeld des mächtigen Clans der Ehefrau des Staatschefs. Der Clan beanspruche Bankkredite in Milliardenhöhe, die nie zurückbezahlt würden, und bekomme riesige Provisionen bei Staatsaufträgen und bei Investitionen ausländischer Firmen. Bei allen staatlichen Bewilligungsverfahren habe er Schmiergelder bezogen, hieß es.
Erste Teilnehmer des Marschs auf Tunis eingetroffen
Ein Demonstrationszug von Hunderten Tunesiern aus der verarmten Zentralregion des Landes hat am Sonntag Tunis erreicht. Unter Rufen wie "Das Volk ist gekommen, um die Regierung zu stürzen" zog die Menge durch die Hauptstadt. Ein älterer Mann unter den etwa tausend Teilnehmern der "Karawane der Freiheit" bezeichnete die Übergangsregierung, die sich nach dem Sturz von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali formiert hatte, als "letzte Reste der Diktatur", die beseitigt werden müssten. Im den verarmten Zentralregionen Tunesiens hatte die sogenannte Jasmin-Revolution ihren Ausgang genommen.
Die "Karawane der Freiheit" hatte ihren Marsch auf Tunis am Samstagmorgen in dem etwa 280 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegenen Ort Menzel Boutaiane begonnen. Je mehr Orte der Zug passierte, umso mehr Menschen schlossen sich an. In Menzel Boutaiane begann nach Angaben der Organisatoren des Marsches die "Jasmin-Revolution". In der Ortschaft seien erstmals Demonstranten von der Polizei niedergeschossen worden.
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