Gegen Berlusconi

“Geh nach Hause”: 10.000 Zelte für 10 Mio. Unterschriften

Ausland
21.01.2011 12:26
Während der skandalumwitterten italienische Regierungschef Silvio Berlusconi nicht an Rücktritt denkt und die aktuellen Entwicklungen belächelt, plant die Opposition das Ende seiner politischen Karriere. Die Demokratische Partei (PD) - Italiens stärkste Oppositionskraft - will eine landesweite Unterschriftensammlung starten, um den Rücktritt des Premierministers zu verlangen. Rund zehn Millionen Menschen sollen unterschreiben.

"Geh nach Hause!" lautet der Text, für den die PD Unterschriften sammeln wird. Laut Oppositionschef Pierluigi Bersani (im Bild) ist die Situation in Italien unzumutbar. "Jede Lösung, Neuwahlen inbegriffen, ist besser, als Berlusconi weiterhin als Premier im Amt zu haben", meinte Bersani.

"Ab dem 1. Februar werden wir auf unzähligen Plätzen in italienischen Städten 10.000 Zelte aufstellen, um zehn Millionen Unterschriften für Berlusconis Rücktritt zu verlangen. Mit dieser Initiative wollen wir den empörten Bürgern eine Stimme geben", kündigte Oppositionschef Pierluigi Bersani an.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern"
Der Richterverband ANM reagiert inzwischen scharf auf die Attacke Berlusconis auf die Mailänder Staatsanwälte, die gegen ihn wegen Amtsmissbrauchs und Beihilfe zur Prostitution ermitteln. "Die Worte des Ministerpräsidenten sind ein gefährlicher Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz vom politischen System. Berlusconis Angriffe sind inakzeptabel. Wir lassen uns nicht einschüchtern", kommentierte ANM-Präsident Luca Palamara.

Der Heilige Stuhl verlangt nach mehr Moral
Der Vatikan reagierte mit kritischen Worten auf den jüngsten Skandal um Berlusconi. Der Heilige Stuhl verfolge diese Vorgänge besorgt und rufe alle, die in öffentlicher Verantwortung stünden, zu einer strikteren Moral auf, erklärte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Es gehe dabei um die "große Verantwortung vor allem gegenüber den Familien, gegenüber den jungen Generationen und mit Blick auf die Frage eines vorbildlichen Verhaltens", sagte Bertone.

Auch Staatspräsident Giorgio Napolitano äußerte sich besorgt. Er rief die politischen und sozialen Kräfte sowie die einzelnen Bürger zu mehr "Nüchternheit im individuellen und kollektiven Verhalten" auf.

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