Neuen Pass beantragt
Haitis Ex-Diktator Duvalier darf Land nicht verlassen
Am Mittwoch beantragte der frühere Diktator einen neuen Pass, um Haiti zu verlassen, sobald er den Ausweis hat, wie ein Sprecher Duvaliers, Yves Germain Joseph, bekannt gab. Duvalier habe Haiti zunächst bereits am Donnerstag verlassen wollen, das sei aber wegen seines abgelaufenen Passes nicht möglich, sagte Joseph. Er wisse nicht, wie lange das Ausstellen eine neuen Ausweises brauche, Duvalier habe es jedoch nicht eilig. "Er ist hier zu Hause. Er ist Haitianer", erklärte er.
Zudem betonte der Sprecher, dass Duvalier weder gezwungen werden könne, sein Heimatland zu verlassen noch zu bleiben. Zuvor hatte Duvaliers Verteidiger gesagt, sein Mandant wolle trotz eines drohenden Strafverfahrens in Haiti bleiben.
Hunderte Millionen Dollar veruntreut
"Baby Doc" hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater François "Papa Doc" Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Getreuen Hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Die dem Duvalier-Clan treu ergebene Geheimpolizei Tonton Macoutes soll bis zu 30.000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und ermordet haben.
Seit Dienstag laufen in Haiti Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung gegen Duvalier. Am Mittwoch strengten vier Haitianer zudem ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Duvaliers Anwalt Georges protestierte gegen die Ermittlungen, da die Straftaten bereits verjährt seien.
Beobachter vermuten, dass Duvalier versuchen könnte, die Instabilität in Haiti rund ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben im Jänner 2010 auszunutzen, um wieder an die Macht zu kommen. Viele fragten sich nach seiner Rückkehr am Sonntag, warum er nicht verhaftet wurde, obwohl Staatschef Rene Préval angekündigt hatte, ihn im Fall einer Rückkehr für Verbrechen am haitianischen Volk zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Richter vernahm ihn am Dienstag lediglich mehrere Stunden lang, danach wurde er aber wieder freigelassen.
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