In dem liebevoll gestalteten Spiel, das optisch an eine Traumwelt aus Textilien und weicher Watte erinnert und vor Detailverliebtheit nur so strotzt, dreht sich alles um die unbeugsame Freundschaft von Ilo und Milo, die optisch irgendwo zwischen aufgeblasenen Fäustlingen und Eis am Stiel (ohne Stiel) angesiedelt sind. Deren größte Freude an jedem Tag besteht in ihren Treffen im Park. Das Dilemma: Die beiden scheinen ständig den Weg zueinander zu vergessen bzw. müssen sich diesen erst bahnen. Die rund 50 Spiel-Level in vier Spielwelten sind eben jene Parks, die es zu durchqueren gilt.
Eine Vielzahl an Quadern bildet so einen Level. Auf diesen Quadern laufen die beiden Helden. Ziel des Spiels ist es, die beiden Protagonisten zueinander zu führen - und zwar auf gleicher Ebene. Und hier wird es auch schon knifflig, denn die Quader können nicht etwa nur auf einer Seite abgelaufen werden. Im Gegenteil: Der ganze Level rotiert um jede erdenkliche Achse, wenn sich Ilo oder Milo an geeigneten Stellen – der nicht vorhandenen Schwerkraft zum Trotz – plötzlich von einer Würfelseite zur anderen bewegen.
Rot-blaue Teamarbeit im Quadergewirr
Und damit nicht genug. Da die beiden flauschigen Kerlchen weder springen noch klettern können, müssen sie sich diverser Spezial-Blöcke bedienen, mit denen entweder Brücken bzw. Türme gebaut, Falltüren zum Ebenenwechsel platziert, von A nach B geschwebt oder schlicht Lücken gefüllt werden können. Und weil man sich in einer echten Freundschaft stets gegenseitig hilft, geschieht das alles in Teamarbeit.
So kann man stets per Knopfdruck zwischen Ilo und Milo hin und her schalten, um sich gegenseitig mit allerlei hilfreichem Klotz-Equipment auszuhelfen oder dem anderen – im wahrsten Sinne des Wortes - eine Brücke zu bauen. So kommt man sich dann Schritt für Schritt näher. Ein schlichtes Spielprinzip, das jedoch schnell die grauen Zellen von Jung und Alt zum Glühen bringt.
Sammelwut tut gut
Während sich der Spieler– fallweise nach dem Try-and-error-Prinzip – durch die Blocklandschaften bewegt, gilt es nebenbei noch jede Menge Extras einzusammeln. Besonders suchenswert sind etwa die kleinen "Safkas". Diese niedlichen Zwerge weichen nach ihrer Entdeckung Ilo und Milo nicht mehr von der Seite, hat man alle drei pro Park beisammen, winkt ein Bonuslevel. Daneben gibt es noch Postkartenfragmente zu sammeln, bei deren Zusammensetzung sich Stück für Stück eine Liebesgeschichte entspinnt, oder etwa Schallplatten aufzustöbern, auf denen der Soundtrack zum Spiel verborgen ist. Einfach süß!
Rätseln zu schrägen Klängen
Apropos Soundtrack: Hier scheinen die Entwickler besonders mutig gewesen zu sein, denn gerade der akustische Erstkontakt mit der Hintergrundbeschallung lässt die Augenbrauen überrascht nach oben steigen. Hat man sich an das schräge Potpourri aus Trommeln, Flötentönen und Trompeten aber erst einmal gewöhnt, lässt es sich zu dem gemütlichen Geräuschambiente hervorragend rätseln.
Was jedoch negativ zu Buche schlägt, ist der recht eintönige Multiplayer-Modus. Fest rechnet man mit einer Split-Screen-Version, die angesichts der beiden separat steuerbaren Helden logisch erscheint, wird aber prompt enttäuscht: Will man Ilomilo zu zweit genießen, muss der Controller stets hin- und hergereicht werden. Auch das Online-Ranking auf Basis möglichst bewegungs- und handlungsökonomischer Levelbewältigung kann leider nicht überzeugen.
Fazit: Der Xbox-Arcade-Titel "Ilomilo" ist nicht nur etwas für Kuschelsüchtige, obgleich die Niedlichkeit in dem gesamten 3D-Rätselspiel zwischen allen Spielfeld-Quadern hervorquillt. Der Aufzug ist ein optischer und akustischer Leckerbissen und verströmt gemütliches Spielflair. Das lädt dazu ein, sich der Wiedervereinigung der beiden Helden in ihren rund 50 Block-Parks ausgiebig zu widmen. Das Spielprinzip ist schlicht, birgt aber durch immer neue Spezialelemente knifflige Herausforderungen für die grauen Zellen. Und für erschwingliche 800 Xbox-Points winken so viele Stunden Knobelspaß für Jung und Alt.
Plattform: Xbox 360 (getestet)
Publisher: Southend Interactive
krone.at- Wertung: 8/10
von Fritz Schneeberger
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