Aufruhr in Tunesien
Mob verprügelt Touristen – Ben Alis Frau flieht mit Gold
Oberg und fünf weitere Schweden zeigten Journalisten ihre zahlreichen Blutergüsse: "Sie haben uns aus den Autos gezerrt, uns wie ausländische Terroristen behandelt. Wir wurden geschlagen und mit Füßen getreten." Drei Jäger in einem anderen Fahrzeug wurden nicht angegriffen, das Schicksal von drei weiteren Schweden ist unklar. Die Polizei habe ihnen schließlich geholfen, die Angelegenheit zu klären, sagte Oberg. Die Gruppe war vor zehn Tagen nach Tunesien gekommen, um Wildschweine zu jagen, konnte dann wegen der Unruhen aber nicht mehr ausreisen.
Nach Angaben der Polizei wurden die Taxis im Stadtzentrum von Tunis, rund 300 Meter vor dem Sitz der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (PDP), gestoppt. Von dort war am Nachmittag ein kurzer Schusswechsel gemeldet worden. In der Hauptstadt herrschte zu dem Zeitpunkt eine angespannte Atmosphäre. Immer wieder hielten Sicherheitskräfte Taxis und andere Fahrzeuge an und durchsuchten sie nach Waffen. Kurze Zeit später kam es zu Gefechten zwischen bewaffneten Anhängern des gestürzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali und Sicherheitskräften der Übergangsregierung.
Ben Alis Frau sackt 1,5 Tonnen Gold ein
Unterdessen soll Ben Alis Gattin Leila vor ihrer Flucht persönlich die Zentralbank in Tunis aufgesucht haben, um sich massenhaft Gold zu besorgen. Mit Barren im Wert von rund 45 Millionen Euro sei sie anschließend vermutlich in ein Flugzeug in Richtung Dubai gestiegen, berichtete am Montag die französische Zeitung "Le Monde" im Internet unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Mittlerweile soll sie sich zusammen mit ihrem Mann im saudi-arabischen Jeddah am Roten Meer aufhalten. Nach Informationen von "Le Monde" wollte der Bankchef das von Leila Ben Ali geforderte Gold zunächst nicht herausgeben. Erst als die 53-Jährige telefonisch ihren Mann einschaltete, seien ihr die Barren übergeben worden. Selbst der 74-jährige Ben Ali soll sich zunächst gesträubt haben, die entsprechende Anweisung zu geben.
Leila Ben Ali und ihr Clan waren bereits vor ihrer Flucht aus Tunesien als geld- und machtgierig verschrien. Die Trabelsi-Familie gilt als korrupt und in kriminelle Machenschaften verstrickt. Nach dem Sturz des Präsidenten am Freitag hatten aufgebrachte Tunesier systematisch ihre Villen in den feinen Vororten von Tunis geplündert. Der als Symbol für Korruption geltende Geschäftsmann Imed Trabelsi, ein Neffe von Ben Alis Frau Leila, wurde von Unbekannten erstochen.
Festnahmen und Schusswechsel
Die Armee ging am Sonntag gegen Mitglieder der Präsidenten-Leibgarde vor. In Tunis wurde der Chef der Leibgarde festgenommen. Augenzeugen berichteten immer wieder von Plünderungen und verschärften Kontrollen des Militärs. Im Zentrum standen weiter Panzer auf den Straßen. Seit der Flucht von Ben Ali gilt in Tunesien der Ausnahmezustand. Auch der Luftraum war zwischenzeitlich gesperrt. Die neuen Machthaber und das Militär mühten sich, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Am Sonntagabend fielen wieder Schüsse in Tunis. Bei Schießereien in der Nähe der Zentralbank wurden zwei Bewaffnete getötet, verlautete aus Armee- und Polizeikreisen. Auch vor der PDP-Zentrale soll es Schusswechsel gegeben haben.
Die Polizei nahm den Leiter von Ben Alis Leibgarde, Ali Seriati, sowie mehrere seiner Mitarbeiter fest. Seriati und seinem Stellvertreter werde unter anderem Verschwörung gegen die nationale Sicherheit vorgeworfen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TAP. Auch hätten die Leibgardisten Unruhe gestiftet sowie Mord und Plünderung provoziert. Insgesamt wurden nach Angaben aus Polizeikreisen 50 Verdächtige festgenommen, die aus Kranken- und Mietwagen heraus auf Menschen geschossen haben sollen.
Ben Ali hatte das Land 23 Jahre in autoritärer Herrschaft regiert und hinterließ Gewalt und Chaos. Auslöser seines Sturzes waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.