Long-Covid-Betroffene:

Atmen als Leistungssport nach Corona-Erkrankung

Endlich bekommt Maria Jerabek-Grill wieder richtig Luft! Die 52-Jährige litt fast ein halbes Jahr unter Folgen einer Corona-Erkrankung. Die „Krone“ besucht die Kindergärtnerin aus Niederösterreich, die sich derzeit in der Vamed-Rehaklinik in Enns erholt.

„Krone“: Sie haben Corona gehabt. Wie lange ist die Erkrankung her?
Maria Jerabek-Grill: Ich habe mich Anfang November des Vorjahres infiziert. Und ich muss dazusagen: Ich leide an Asthma und habe darum immer sehr aufgepasst.

Wo haben Sie sich die Krankheit geholt?
Ich arbeite in einem Kindergarten. Ich vermute, dass ich mich dort angesteckt habe, aber ich weiß es eigentlich nicht genau.

Und die Symptome waren äußerst heftig.
Ja, ich bekam starkes Kopfweh, Schüttelfrost, mir war irrsinnig schlecht, ich konnte nichts essen oder trinken. Im Spital bekam ich Infusionen, Sauerstoff und Cortison. Ich fühlte mich noch nicht gesund, wurde aber nach Hause geschickt, weil ich die Therapie auch zu Hause machen konnte. Daheim war ich nur im Bett.

Wer war für Sie da?
Mein Mann hatte Homeoffice und betreute mich. Ich blieb immer in meinem Zimmer. Nur zum Essen bin ich in die Küche. Wir hatten ein System: Er hat mir alles hergerichtet und ist hinausgegangen, bevor ich zum Essen gekommen bin. Ich habe weder Kühlschrank, noch Kaffeemaschine oder andere Dinge angegriffen. Bevor ich wieder in mein Zimmer zurückging, habe ich das Fenster aufgemacht. Wir haben ständig gelüftet und sind uns nie wirklich begegnet, und das 14 Tage lang.

Konnte Ihr System Ansteckungen verhindern?
Ja, weder er noch mein Sohn steckten sich an. Das ist uns gelungen!

Sie kennen Atembeschwerden als Asthmatikerin gut. Aber Corona hat sie noch weiter verschärft.
Ich habe noch weniger Luft bekommen. Als ich nach zwei Wochen endlich ein bisschen aufgestanden bin, konnte ich nichts machen. Die Akuterkrankung klang ab, aber die Atemnot wurde zum Dauerzustand.

Könnten Sie das für uns ein bisschen genauer schildern?
Ich wollte kochen. Ich bin in der Küche gestanden, habe mir alles hergerichtet. Doch zum Schnitzelpanieren bin ich nicht mehr gekommen. Ich hatte solche Atemnot, dass ich mich setzen musste. Mein Mann hat dann weitergemacht.

Der Haushalt war einfach zu anstrengend.
Ja, Staubsaugen ist überhaupt nicht gegangen. Nach einer Dusche war ich fix und fertig. Stiegensteigen war die Hölle, ich habe richtig gekeucht. Spazierengehen ging auch nicht. Ich war andauernd extrem müde. Meine Lungenfunktion war in dieser Zeit ganz schlecht und das viele Wochen lang.

Sie hatten bestimmt Angst.
Ja, immer wieder stark. Bis vor kurzem fürchtete ich oft, dass ich plötzlich ohnmächtig werde.

Was hat Sie noch besonders lange beschäftigt?
Ein Erlebnis im Spital damals: Meine Zimmernachbarin wurde intubiert. Das war für mich ein Schock! Alle Ärzte waren hektisch, alle waren vermummt, mit Maske und komplettem Anzug. Ich bekam Panik, dass mir das auch passieren könnte. Diese schrecklichen Bilder hatte ich vor allem beim Einschlafen lange immer wieder vor Augen.

Wie geht es Ihnen jetzt, nach fast einem halben Jahr?
Jetzt momentan geht es mir besser. Ich habe nicht mehr das Gefühl, Atemnot zu haben. Auch nicht beim Walken, wenn ich langsam gehe. Die Reha war unheimlich wichtig! Sie hat mir durch Atemphysiotherapie und Atemtechniktraining sehr geholfen.

Sie mussten wieder atmen lernen?
Ja, so kann man sagen. Mit der neuen Atemtechnik kann ich wieder leichten Sport machen und Muskeln aufbauen. Wichtig für mich sind aber nach wie vor Atemtherapiegeräte, die ich auch selbst benutzen kann, etwa zum Inhalieren.

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Sie nach Ihrer Corona-Erkrankung ausgegrenzt oder sogar abgestempelt worden sind?
Es gab etwas in diese Richtung. Ich hörte fallweise Vorwürfe heraus, wie „du hast nicht aufgepasst, darum hast du dich angesteckt“. Aber das macht mir nichts. Es ist einfach Blödsinn. Was mich eher verunsichert, sind die Fragen: Was kommt jetzt noch gesundheitlich auf mich zu? Bleibt es so? Wird es immer besser?

Hat sich Ihr Blick auf Corona verändert?
Ich verstehe nicht, dass es Corona-Leugner gibt, die noch immer sagen, es sei wie eine Grippe. Wenn diese Menschen erleben würden, was ich mitgemacht habe, würden sie ihre Meinung ändern. Leute, die beim Einkaufen den Abstand nicht einhalten, kritisiere ich ebenfalls. Aber: Man kann nicht ewig alles zusperren.

Sollte die Einhaltung der Regeln besser kontrolliert werden? Gerade wenn alles wieder offen ist...
Auf jeden Fall. Ich halte viel vom Testen, das ist das einzige Mittel, um einige Stunden oder Tage etwas unternehmen zu können. Ich werde mich auch impfen lassen, sobald es mir von den Ärzten empfohlen wird. Aber zugegeben: Ich fürchte mich etwas vor den Nebenwirkungen einer Impfung.

Was haben Sie sich von Oberösterreich angesehen?
Ich habe es geschafft, auf den Stadtturm in Enns zu steigen! Man hat einen traumhaften Blick. Ansonsten bin ich oft im Salzkammergut, ich liebe die Seen.

Elisabeth Rathenböck
Elisabeth Rathenböck
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Sonntag, 13. Juni 2021
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