Dioxin-Skandal

Weiterer Hersteller pfuschte: 1.000 Höfe neu gesperrt

Ausland
15.01.2011 16:14
Der deutsche Dioxin-Skandal weitet sich aus: Fast 1.000 Höfe in mehreren Bundesländern mussten zusätzlich gesperrt werden, weil ein Tierfutterhersteller im niedersächsischen Damme Lieferdaten nicht in vollem Umfang an die Behörden gemeldet haben soll. Das Futter sei an 934 Betriebe gegangen, auch in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern, teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Samstag mit.

Darunter sollen 110 Legehennenbetriebe, 403 Schweinemastbetriebe und 248 Ferkelmastbetriebe sein. Der Futterhersteller habe erst auf Druck der Behörden vollständige Lieferdaten eingereicht, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Am Freitagabend seien deshalb weitere Höfe vorsorglich gesperrt worden. In Niedersachsen dürften derzeit rund 900 Betriebe keine Waren vermarkten. Das Ministerium geht davon aus, dass etwa zehn Tage lang Endprodukte - vorwiegend Eier - in den Handel gelangt sein könnten. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen gegen den Hersteller aufgenommen.

Bauernpräsident glaubt an Schaden von 100 Mio. Euro
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner rechnet mit einem Schaden von mehr als 100 Millionen Euro wegen der Sperrung von Höfen. Noch größer seien die Konsequenzen durch Umsatzeinbrüche bei Schweinefleisch und Eiern: "Diese Schadenssumme wird ein Mehrfaches dessen sein, was an direktem Schaden verursacht worden ist", sagte er.

Möglicherweise neue Spur bei Suche nach Dioxin-Quelle
Der Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein hatte Futterfette und Industriefette vermischt. Damit war Dioxin in den Tierfutterkreislauf geraten. In der vergangenen Woche waren fast 5.000 Höfe vorsorglich gesperrt und auf Dioxin untersucht worden. Die Zahl sank am Freitag zunächst auf rund 400 Betriebe.

Bei der Suche nach der Herkunft der Dioxin-Belastung hat sich möglicherweise eine neue Spur ergeben. Das Dioxin-Muster aus Fett-Analysen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein erinnere an das sogenannte Kaolin, sagte der Stuttgarter Wissenschafter Hans Schenkel am Samstag und erläuterte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". "Normalerweise handelt es sich dabei um ein natürliches Tonmaterial, es kann aber auch Spuren von Dioxin enthalten", sagte Schenkel. Kaolin ist ein weißes, auch in der Papier- und Porzellanherstellung verwendetes Gestein.

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