"Wollte nur helfen"
Prostituierte “Ruby” gibt Berlusconi Rückendeckung
Berlusconi steht im Verdacht, zwischen Februar und Mai 2010 Sex mit dem damals noch minderjährigen Mädchen gehabt und es dafür bezahlt zu haben. Stimmt nicht, behauptet nun das angebliche Opfer: Von Berlusconi habe sie lediglich Geschenke und 7.000 Euro in bar erhalten, weil sie in finanziellen Nöten war, aber keinen Sex mit ihm gehabt, sagte die 18-jährige "Ruby" im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" vom Samstag.
Außerdem habe sie über ihr Alter gelogen, so die junge Frau marokkanischer Abstimmung, die – damals noch minderjährig - im vergangenen Frühjahr an einigen Partys in der Mailänder Villa Berlusconis teilgenommen haben soll. Den Skandal, der durch ihre Bekanntschaft mit dem Premier ausgelöst wurde, bedauere sie jedenfalls und versicherte, seitdem nichts mehr von Berlusconi gehört zu haben.
"Ich glaube, dass er sehr einsam ist"
Der italienische Regierungschef habe auf sie den Eindruck eines einsamen Menschen gemacht, erzählte sie weiters. "Er kommt mir nicht sehr glücklich vor. Ich glaube, dass er sehr einsam ist. Er hat viel für seine Karriere gemacht, aber was seine Familie betrifft, war er eine Katastrophe", sagte die 18-Jährige.
Berlusconi wollte Fall laut Staatsanwaltschaft vertuschen
Ungeachtet der überraschenden Rückendeckung durch "Ruby" steht jedoch weiterhin der Vorwurf des Amtsmissbrauchs gegen Berlusconi im Raum. Der 74-Jährige soll in der Nacht des 27. Mai persönlich bei der Mailänder Polizei angerufen haben, um die junge, wegen Diebstahls verhaftete Frau aus dem Polizeigewahrsam freikommen zu lassen (siehe Infobox). Berlusconi habe vertuschen wollen, "Kunde einer minderjährigen Prostituierten während zahlreicher Wochenenden in seiner Villa" gewesen zu sein, hieß es aus der Staatsanwaltschaft.
Außerdem habe er versucht, sich Straffreiheit zu sichern und Einzelheiten der Feiern unter Verschluss zu halten. Die Mailänder Staatsanwaltschaft will ein Eilverfahren für Berlusconi beantragen und ihn kommende Woche vorladen. Noch unklar ist, ob der Premier vor den Ermittlern erscheinen wird.
Berlusconi Opfer einer "Desinformationskampagne"
Berlusconi reagierte empört auf die neuen Justizermittlungen und beschuldigte die Zeitungen, eine "Desinformationskampagne" zu führen. "Wenn ich eine Aktion ernst nehmen wollte, die es nicht ist, würde ich sagen, dass jede Grenze überschritten worden ist. Einige Staatsanwälte versuchen, die fundamentalen Regeln der Demokratie auf den Kopf zu stellen", kommentierte der Premier am Freitag.
Er wittert einen Komplott hinter den gegen ihn gerichteten Justizermittlungen: "Wir stehen vor einem neuen Komplott, mit dem man meine Person und meine institutionelle Funktion verleumden will, in der Hoffnung, mich aus der politischen Szene zu verdrängen." Der Schlamm werde auf diejenigen zurückfallen, die Ermittlungen als politische Waffe benutzten, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Presseaussendung Berlusconis.
"Auch diesmal wird es ihnen nicht gelingen, mich aufzuhalten"
Das Komplott der Staatsanwälte werde ihn aber nicht daran hindern, weiterhin das Land zu regieren. "Auch diesmal wird es ihnen nicht gelingen, mich aufzuhalten", versicherte der Ministerpräsident. "Seit 17 Jahren werde ich von der Justiz verfolgt, doch noch nie haben Staatsanwälte auf derart unglaubwürdige und groteske Weise die Wahrheit verzerrt und das Fundament des Rechtsstaates infrage gestellt", so Berlusconi.
Kabinettskollegen solidarisch
Solidaritätsbekundungen bekam Berlusconi von einigen Mitgliedern seines Kabinetts. "Die Ermittlungen gegen Berlusconi werden die Stabilität der Regierung nicht beeinträchtigen", versicherte Innenminister Roberto Maroni. Kritik musste Berlusconi hingegen von Oppositionschef Pierluigi Bersani hinnehmen. "In diesem Moment schämen wir uns wegen Berlusconi vor der Welt. Minderjährige Mädchen sollten in die Schule und nicht auf Partys mit alten Reichen gehen", betonte Bersani.
Anwälte nennen Vorwürfe "absurd"
Berlusconis Anwälte bezeichneten die Vorwürfe als "absurd und unbegründet". Die Untersuchung sei ein "schwerer Eingriff in das Privatleben des Ministerpräsidenten", erklärten sie. Alle Vorwürfe seien bereits von Zeugen widerlegt worden.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.