Klimareport

Eisbären bald ohne Eis!

Wissenschaft
03.11.2004 16:46
Eisbären, die durchs Gras laufen und vergeblich nach Robben Ausschau halten, dürften zum Ende unseres Jahrhunderts nicht mehr bloß in Zoos traurige Realität sein: Auch den Nordpol wird einem neuen Bericht zufolge dann kein Eis mehr bedecken, wenn der Ausstoß der Treibhausgase weltweit nicht deutlich reduziert wird.
Das arktische Eis schmilzt - und zwar schnellerals viele erwartet haben. Das geht aus dem umfangreichen ACIA-Reporthervor, der von den acht Staaten des Arktischen Rates in Auftraggegeben wurde und jetzt vorzeitig durchsickerte.
 
Rasanter Temperaturanstieg in der Arktis
Bis 2100 wird die Temperatur in der Arktis demnachum vier bis sieben Grad Celsius steigen - das ist bis zu dreiMal so schnell wie auf dem restlichen Planeten und hättedrastische Folgen. Die prognostizierte Erwärmung würdeeine Erhöhung der Meeresspiegel von rund einem Meter biszum Jahrhundertende nach sich ziehen, Küstenstreifen überschwemmenund möglicherweise auch den Golfstrom unterbrechen, der warmesWasser und mildes Wetter nach Nord-West- Europa bringt, sagtePal Prestrud vom Komitee des ACIA (Arctic Climate Impact Assessment).In den vergangenen 30 Jahren sei das arktische Eis bereits um10 bis 15 Prozent geschrumpft.
 
"Einen so profunden Bericht von solcher Klarheithat es noch nie gegeben", erläuterte der Arktis-Experte undDeutschland- Geschäftsführer der Umweltstiftung WWF,Peter Prokosch, in Berlin. Außer dem Abschmelzen riesigerSüßwassermengen werde auch zum Problem, dass keineEisflächen mehr die Sonnenstrahlung zurückreflektieren."Die Energie wird vom dunklen Boden absorbiert, so dass die Erwärmungweiter beschleunigt wird."
 
Klimaforscher warnen schon lange
"Der Bericht entspricht dem, was Klimaforscher seitlangem gesagt haben. Er ist ein außergewöhnlich gründlicherBeleg dafür, dass der Klimawandel längst eingesetzthat", ergänzte der Ozean-Experte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institutfür Klimafolgenforschung. Mögliche positive Nebeneffekteeiner Erwärmung, die der ACIA-Report gleichfalls erwähnt- etwa die leichtere Erreichbarkeit von Öl- und Gasvorkommenoder verstärkter Landbau -, erscheinen neben den negativenlokalen und globalen Auswirkungen dann auch gering.
 
Gefahr auch für Eskimos
Erst vor wenigen Tagen hatten Experten auf einerKlimakonferenz in Peking berichtet, wie sich bereits jetzt dasLeben der Eskimos verändert hat. Die Tiere seien nicht mehrgesund. Das Eis werde dünn, Jäger brächen ein undbezahlten mit dem Leben. Ältere Stammesmitglieder könntendas Wetter nicht mehr vorhersagen. Auch Eisbären, Walrosseund Robben verlieren mit dem stetigen Rückzug der Dauerfrostgrenzenach Norden Stück für Stück ihre Lebensgrundlage.
 
Hoffen auf Gesinnungswandel
Nun hoffen Klimaforscher und Umweltschützer,dass der ACIA-Report auch politische Folgen hat. Mitglieder desArktischen Rats sind Kanada, Russland, Dänemark, Finnland,Island, Norwegen, Schweden und die USA. Zusammen produzieren siemehr 30 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes. Am24. November wollen die Außenminister dieser Staaten aufIsland auf Basis des Reports Grundsatzempfehlungen vereinbaren.
 
"Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass jetztetwas in Gang kommt", hofft WWF-Chef Prokosch. Die US-Regierunghabe versucht, eine Veröffentlichung vor den Präsidentschaftswahlenzu verhindern. "Mit diesem weiteren Beleg wird es für dieUS-Administration aber immer schwieriger, den Kopf in den Sandzu stecken", sagte Rahmstorf. Deutschland und Großbritannienriefen unterdessen auf einer deutsch- britischen Klimakonferenzin Berlin den weltweit größten TreibhausgasproduzentenUSA dazu auf, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
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