30.04.2021 11:39 |

„Gruselig“

Proteste: New Yorker Polizei pfeift „Spot“ zurück

Nach scharfer Kritik seitens besorgter Bürger und Politiker hat die Polizei von New York ihren Einsatz des Roboterhundes „Spot“ vorzeitig beendet. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, wurde der Vertrag mit der Herstellerfirma Boston Dynamics gekündigt. Der vierbeinige Roboter, von der Polizei Digidog getauft, geht an das Unternehmen zurück. Eigentlich wäre der Vertrag mit einem Umfang von 94.000 Dollar - rund 78.000 Euro - bis August gelaufen.

Die Polizei der US-Metropole hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als sie den ferngesteuerten und mit Kameras ausgestatteten Roboter im Februar bei einer Festnahme in einem Sozialwohnbau eingesetzt hatte. Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sprach von einer „robotischen Boden-Überwachungsdrohne“.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnte, die mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboter könnten eines Tages polizeiliche Entscheidungen treffen. Kritiker sahen den Roboter zudem als Symbol für die zunehmende Militarisierung der US-Polizei.

„Falsche Nachricht“ an Bürger gesendet
Im Büro von New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio zeigte man sich entsprechend erfreut über den vorzeitigen Ruhestand des Roboters. Er sei gruselig, entfremdend und sende die falsche Nachricht an die New Yorker, so ein Sprecher.

Die New Yorker Polizei hatte dagegen erklärt, der Hightech-Roboter könne „Leben retten, Menschen schützen, Polizisten schützen“. Wie die „New York Times“ berichtete, war die vom Hersteller Boston Dynamics offiziell „Spot“ genannte Maschine bislang rund ein halbes Dutzend Mal zu Einsätzen ausgerückt. Bei einer Home-Invasion im Stadtteil Queens lieferte der Roboter etwa Lebensmittel an Geiseln.

„Nicht dafür ausgelegt sind, als Waffen eingesetzt zu werden“
Beim Hersteller Boston Dynamics verwies man darauf, dass die Roboter des Unternehmens „nicht dafür ausgelegt sind, als Waffen eingesetzt zu werden, Schaden zuzufügen oder Menschen oder Tiere einzuschüchtern“. Von den weltweit rund 500 verwendeten „Spots“ seien die meisten bei Versorgungsunternehmen, auf Baustellen oder in anderen kommerziellen Umgebungen im Einsatz. Nur vier der Maschinen würden von Polizeibehörden benutzt, hieß es.

Erst Anfang April war „Spot“ allerdings beim „Gassigehen“ mit Soldaten der französischen Armee gesichtet worden (Bild oben). Offiziellen Angaben zufolge wurde der Roboter während einer zweitägigen Schulungsübung zu Aufklärungszwecken verwendet. Doch sein Erscheinen auf dem simulierten Schlachtfeld warf Fragen darüber auf, wie und wo die Maschinen des Unternehmens künftig eingesetzt werden.

Düstere Dystopie
Auch die Macher der britischen Science-Fiction-Serie „Black Mirror“ hatten sich in der Vergangenheit von dem Roboterhund inspirieren lassen. In der Folge „Metalhead“ aus dem Jahr 2017 (Trailer oben) werden die Hauptdarsteller vor gewalttätigen vierbeinigen Robotern gejagt.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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