Es ist der lang erwartete, neuerliche Schlag gegen das Regime in Teheran: Für die „Krone“ analysiert Außenpolitik-Doyen Kurt Seinitz die sich überschlagenden Ereignisse im Iran und dem ganzen Nahen Osten.
Schon wieder ein Nahostkrieg – das Gleiche wie immer? Doch nicht. Diesmal geht es aufs Ganze, geht es um den Sturz der Mullah-Herrschaft im Iran. Kriegsziel ist, Voraussetzungen zu schaffen, dass das iranische Volk künftig in einem freien System leben kann.
Bei den Massendemonstrationen im Jänner, die vom Regime in einem beispiellosen Massaker niedergeschossen worden waren, hatte Trump dem Volk versprochen: „Hilfe ist unterwegs“, damit sie ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen können. Der Angriff Israels und der USA ist nur ein Anstoß, soll ein Angebot sein an das iranische Volk, den Regimewechsel selbst zu vollziehen. Beide Mächte zogen die Lehre aus früheren Fehlschlägen, einen Regimesturz wie in Afghanistan, Irak oder im Libanon „eigenhändig“ durch Einmarsch und Besetzung zu versuchen. Dieser letzte Akt müsse aus dem Volk selbst kommen, heißt es.
Das 47 Jahre alte Mullahregime ist politisch und wirtschaftlich schwach wie niemals zuvor. Es hat aber ein riesiges Raketenarsenal angehäuft (darunter neue Langstreckenraketen, die bis Europa reichen), das nun in alle Richtungen verschossen wird.
Die Atomverhandlungen mögen also nur Scheinverhandlungen gewesen sein, aber sie haben die wirklichen Gefahren offengelegt: keine Bereitschaft Teherans zur glaubhaften Überprüfung eines Atomdeals sowie keine Verhandlungsbereitschaft über das Raketenprogramm, das die aktuelle Gefahr darstellt.
Die konservativen arabischen Verbündeten der USA am Golf sind alles andere als glücklich über einen Krieg für einen Regimewechsel. Es überwiegt die Sorge vor einem möglichen Chaos danach. Die Opposition ist führungslos, und als einzige Stimme meldet sich der Kronprinz des letzten Schah aus dem Exil. Jedenfalls hat das Mullahregime derart abgewirtschaftet, dass es zu der historischen Groteske kommen könnte, die noch vor Jahren undenkbar war: zur Rückkehr des Iran zur Monarchie unseligen Angedenkens.
Die Iraner sind ein stolzes Volk. 90 Prozent mögen sich den „Regime change“ wünschen, aber nicht alle wollen von den USA (und Israel) befreit werden. Dieser Reflex gegen ausländische Einmischung hält auch die militärischen Kräfte des Regimes (noch) zusammen.
Das iranische Regime ist so konstruiert, dass ein „Enthauptungsschlag“ allein noch keinen Kollaps der klerikalen Herrschaft bedeutet. Die Basidsch-Milizen (1 bis 5 Millionen) und die Geistlichkeit halten die Kontrolle auf lokaler Ebene aufrecht.
Die Ideologie dieses religiösen Korsetts ist auch für die komplette Kompromissunfähigkeit des Regimes verantwortlich. Fiktives Staatsoberhaupt ist der Mahdi, der Erlöser, der nach religiösen Niederlagen letzte Imam der Schiiten, der seit 1085 Jahren im Verborgenen lebt. Er wird am Jüngsten Tag zurückkehren und die „gerechte Herrschaft“ errichten.
Der Gründer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Khomeini, und sein Nachfolger Khamenei sind nur Statthalter. Sie sollen den Iran für den Mahdi als Landebahn bereithalten.
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