Digitales Gedächtnis

Kulturgut Dialekt vor dem Vergessen retten

Tirol
22.04.2021 19:00

„Graiß di, ö miar san iatz im Wöchenende“ - das ist die aktuelle Telefonbandinfo des Autohauses Kapferer in Umhausen. Die Ötztaler sind stolz auf ihren Dialekt. Dass keines der Wörter in Vergessenheit gerät, dafür sorgt ein Projekt mit „a haidn Orbat“ (enorm viel Arbeit). Obwohl das Regio-Projekt sein offizielles Ende erreicht hat, entwickelt es sich fast täglich weiter.

Wie die Gesellschaft selbst, verändert sich auch Sprache laufend und alte Ausdrücke geraten in Vergessenheit. Damit dies nicht geschieht, haben Ötztaler Persönlichkeiten zu Papier gegriffen. So begann der bekannte Volkskundler Prof. Hans Haid bereits in den 1960er Jahren mit den ersten Aufzeichnungen. Aber auch „ganz normale“ Ötztaler legten sich ein persönliches Dialektarchiv an. Einer davon ist Josef Öfner. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich muss ein Buch daraus machen“, sagt der Pepi, der auch als Urgestein des Heimatmuseums gilt und somit entstand 2015 mit „Ötztalerisch“ die erste Publikation. Nun kam die Idee auf, sämtliche „Privatsammlungen“ zusammenzuführen und damit einen Dialektfundus zu begründen.

Aufwendige Filigranarbeit
Welcher Ort wäre dafür prädestinierter als der „Gedächtnisspeicher“, das „Gehirn des Tales“ als Teil des Freilichtmuseums in Längenfeld bzw. der Ötztaler Museen! „Dieses Projekt habe ich sehr gerne in die Hand genommen“, weiß Edith Hessenberger, Kulturwissenschaftlerin und Leiterin der Ötztaler Museen. Mit Hilfe des Regionalmanagements konnte man auch die nötigen Mittel lukrieren. „Gaahe“ (schnell) ist es allerdings nicht gegangen, das digitale Dialektwörterbuch war eine aufwendige Geschichte. Immerhin mussten teils handschriftliche Sammlungen von 15 Ötztalern (Markus Wilhelm, Bernhard Stecher, Hubert Brenn, Isidor Grießer und vielen anderen) zu einer gemeinsamen Datenbank zusammengeführt werden. Die aktuelle Sammlung von Pepi Öfner wurde integriert. Auch das „Tiroler Dialektarchiv“ der Universität Innsbruck stieg mit ins Boot. Die Komparatistin Anna Praxmarer und die Germanistin Anna Tappeiner erledigten für das Projekt die akribische Filigranarbeit.

Audiofiles von 10 Einheimischen „besprochen“
„Unsere Buchstaben sind nicht geeignet, Dialekt abzubilden“, ist die Meinung Hessenbergers und so einigte man sich auf das im Nachhinein interessanteste Element der Datenbank: die Audiofiles. Das heißt, man kann sich die Wörter auch anhören. 4500 sind es bisher, aufgesprochen von zehn „Dooigen“ (Einheimischen) von Sautens „deniidan“ (drunten) bis Sölden dööbm (droben) – ausgesprochen originell. Am 31. März endete das Regio-Projekt, aber: „Das ist nur das formelle Ende der Projektlaufzeit. In Wirklichkeit entwickelt sich das Online-Dialektwörterbuch täglich weiter, weil wir aus der Bevölkerung stetig neue Ausdrücke erhalten“, funkelt es in Hessenbergers Augen, „im letzten Halbjahr waren es rund 300“. Eine Eingabemaske ermöglicht den Ötztalern nämlich, ja lädt sie förmlich ein, neue Dialektausdrücke hinzuzufügen. Äußerst unterhaltsam, „a weag“ (ein bisschen) darin zu „schtrieln“ (herumzusuchen). Schtrieladresse www.oetztalermuseen.at/dialektwoerterbuch.

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