"Tirol erreichte im Jahr 2010 den bisherigen Tiefstand bei der Anzahl der Verkehrstoten. Erfreulich ist der deutliche und stetige Rückgang seit dem Jahr 2001, als noch 115 Menschen bei Verkehrsunfällen in Tirol ums Leben kamen", sagt Christian Gratzer vom VCÖ, der für die "Tiroler Krone" die Daten analysiert. "Die verstärkten Verkehrskontrollen machen sich ebenso bezahlt wie die Forcierung des öffentlichen Verkehrs durch das Land Tirol – Stichwort Wipptal-S-Bahn", lobt Gratzer die Arbeit der Tiroler Polizei sowie die Bemühungen seitens des Landes Tirol und führt aus: "Mit dem Auto ist das Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden, etwa 40 Mal höher als mit der Bahn."
Jedes 6. Opfer ist ein Fußgänger
Deutlich zurückgegangen ist im Jahr 2010 die Zahl der tödlich verunglückten Pkw-Insassen (minus 17 Prozent) und der Motorradfahrer (minus 30 Prozent). Keinen Rückgang gab es leider bei den tödlichen Fußgängerunfällen – im Schnitt ist jeder sechste Getötete ein Fußgänger. "Auch in Tirol sind Maßnahmen, wie Gehwege entlang von Freilandstraßen und mehr verkehrsberuhigte Zonen im Ortsgebiet wichtig, um die Sicherheit der Fußgänger zu erhöhen", argumentiert Gratzer.
VCÖ für "Tempo 80 plus" auf Freilandstraßen
Die Hauptursache der tödlichen Unfälle – in 36,2 Prozent zu hohe Geschwindigkeit – sei stärker als bisher zu bekämpfen. Der VCÖ tritt für "Tempo 80 plus" statt 100 auf Freilandstraßen ein, für die Aufnahme von Schnellfahren als Delikt im Vormerksystem und für die Abschaffung der bestehenden Toleranzgrenzen beim Übertreten von Tempolimits. "Für Lkw gilt auf Autobahnen Tempolimit 80. Obwohl sich die wenigsten daran halten, gibt es kaum Kontrollen und kaum Strafen", kritisiert Gratzer.
Mögliche Auswirkungen
Wie sich das Absenken des Tempolimits auf 80 km/h auswirkt, zeigt folgendes Beispiel des VCÖ: Auf trockener Fahrbahn kann bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h vor einem Hindernis in 55 Meter Entfernung das Fahrzeug gerade noch zum Stillstand gebracht werden. Beträgt die Geschwindigkeit 100 km/h, erfolgt ein Aufprall mit 68 km/h. Der Ausgang eines solchen Unfalls wäre für einen Fußgänger mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich. In Tirol hat es Tempo 80 auf Freilandstraßen bereits einmal gegeben: Von 1990 bis 1993. Damals sank die Zahl der Toten von 110 auf 93 – minus 15 Prozent!
von Günther Krauthackl, Tiroler Krone
Symbolbild
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