Move vs Kinect

“The Fight” trifft im Ring auf “Fighters Uncaged”

Spiele
05.01.2011 15:48
Vanillekipferl und andere Sünden haben während der vergangenen Tage deutliche Spuren hinterlassen. Höchste Zeit also, dem Winterspeck zu Leibe zu rücken und dem Körper etwas Training angedeihen zu lassen. Boxen erweist sich dabei als besonders effektiv und dank der Bewegungssteuerungen für Microsofts Xbox 360 und Sonys PS3 muss dafür nicht einmal das Wohnzimmer verlassen werden. krone.at hat "The Fight" für PlayStation Move und "Fighters Uncaged" für Kinect in den Ring geschickt – mit überraschendem Ausgang.

Sowohl "The Fight" als auch "Fighters Uncaged" setzen auf die rohe Action illegaler Straßenkämpfe. Bevor man sich in Sonys "The Fight" für PlayStation Move jedoch gegenseitig die Kauleiste polieren darf, sieht man sich einer weitaus größeren Herausforderung gegenüber: Im wohl originellsten Tutorial der jüngsten Vergangenheit weist niemand Geringerer als Danny "Machete" Trejo Box-Aspiranten in die hohe Kunst der tiefen Schläge ein. Nettigkeiten braucht man sich von diesem Lehrmeister keine zu erwarten, Untergriffe der verbalen Sorte dafür umso mehr.

Zunächst gilt es allerdings eine Entscheidung zu treffen: Wie soll "The Fight" gespielt werden – mit einem oder zwei Motion-Controllern? Letzteres ist zu empfehlen, da die zweite Steuerungsvariante – Motion-Controller plus Six-Axis-Controller – im Test keine zufriedenstellenden Ergebnisse lieferte. Bewegungen wurden hierbei entweder nur sehr zögerlich oder gar nicht erkannt, sodass der Frust vorprogrammiert ist. Aber auch mit zwei von Sonys neuen Bewegungscontroller bleibt einem so manche Enttäuschung nicht erspart.

Ohne Fleiß kein Preis
Das wiederum hat jedoch mit dem Gameplay zu tun. Denn der Spieler beginnt in "The Fight" als blutiger Anfänger, dessen Fertigkeiten durch hartes Training erst mühsam erlernt und erarbeitet werden müssen. Das hat zur Folge, dass man gerade anfangs wie wild um sich haut und sich dabei verausgabt, das virtuelle Alter Ego die Bewegungen aber aufgrund fehlender Talente nicht 1:1 auf den Bildschirm zu bringen vermag. Erst mit wachsender Erfahrung in den Bereichen Kraft, Tempo, Ausdauer, Kinn, Herz oder Technik beginnen insbesondere schnellere Bewegungen auch wirklich ins Ziel – also den Gegner – zu treffen.

Ausdauer-Sparring und Training an Sandsack und Punchingball stehen daher auf der Tagesordnung ganz oben. Nicht nur, um besagte Fertigkeiten zu verbessern, sondern auch, um bei den insgesamt 13 Veranstaltung, die mehrere Kämpfe und Herausforderungen inkludieren, nicht vorschnell das Handtuch zu werfen. Schließlich müssen Verletzungen, die in düsteren Arenen mit so illustren Namen wie "Mördergasse" oder "Käfig" davongetragen werden, nach dem Kampf versorgt und geflickt werden.

Kalorienverbrennen mit der Hammerfaust
Wer allerdings Gegner nicht nur überlebt, sondern sogar noch vor dem Time-Out zu Boden schickt, wie es bestimmte Herausforderungen verlangen, darf sich über ein stolzes Zusatzgeld und besondere Kampftechniken wie die "Hammerfaust" freuen. Damit der Spieler selbst schlussendlich auch noch einen Nutzen davon hat, schlüsselt ein Fitnessbericht die Anzahl der während des Boxens verbrannten Kalorien auf.

Ganzkörpertraining mit "Fighters Uncaged"
Ubisofts "Fighters Uncaged" verzichtet auf ein solches Feature, was aber nicht heißt, dass man beim Spielen nicht trotzdem Kalorien verbrennt. Im Gegenteil: Da Kinect sowohl Arme als auch Beine erfasst, kommen auf der Xbox im Gegensatz zum Sony-Spiel auch die Beine zum Einsatz. Ein echtes Ganzkörpertraining also, bei dem nicht nur Schläge, sondern auch Tritte verteilt werden.

Viele dieser Bewegungen sind wie bei "The Fight" den natürlichen Bewegungsabläufen nachempfunden und daher intuitiv anwendbar, andere hingegen wurden leicht abgewandelt und bedürfen eines gewissen Trainingsaufwands. So wird das Bein für hohe Tritte wie den Roundhouse-Kick nicht nach oben, sondern auf Bodenhöhe hinter das Standbein geführt, und wer Angriffen durch Ducken ausweichen möchte, der geht nicht etwa in die Knie, sondern beugt sich leicht kurz nach vorne.

Auch Anfänger können gleich voll austeilen
Diese Kniffe zu erlernen ist allerdings kein Problem, denn auch "Fighters Uncaged" bietet ein umfangreiches Tutorial, in denen Basics und Experten-Moves wie der Power-Schlag-Spinning-Heel-Kick erlernt werden können. Großer Unterschied zu "The Fight": Wer weiß, wie der Hase läuft, kann in "Fighters Uncaged" auch als Anfänger gleich voll loslegen und kräftig austeilen, ohne dafür zunächst besondere Fertigkeiten antrainieren zu müssen.

Vonnöten, um an die Spitze der Straßenkämpfer-Liga zu gelangen, ist dafür jedoch ein Gespür für die richtige Kampfdistanz: "Fighters Uncaged" unterscheidet zwischen kurzen, mittleren und weiten Distanzen bzw. Angriffen. Ist der Gegner für die rechte Gerade nicht in Reichweite, geht der Schlag ins Leere. Doch auch wenn man trifft, heißt das noch lange nicht, dass der Gegner auch wirklich einen Schaden davonträgt. Hoch konzentrierte Widersacher sind Kraft ihrer Gedanken nämlich durch eine Art Schutzschild geschützt. Um dieses zu durchdringen, müssen Gegner erst irritiert und aus der Reserve gelockt werden, was durch perfekt getimtes Ausweichen gelingt.

Durch Ausweichen oder auch das Blocken von Angriffen füllt sich schließlich eine Energieleiste, mit deren Hilfe sogenannte Power-Schläge entfesselt werden können - vorausgesetzt ein dazugehöriger Kampfschrei, der vom Kinect-Mikrofon erfasst ist, ist auch laut genug. Das Ergebnis ist jedenfalls äußerst farbenfroh, worin wohl neben der Steuerung ein wesentlicher Unterschied zu Sonys düster angehauchtem "The Fight" besteht.

Fazit: Sowohl "The Fight" für PlayStation Move als auch "Fighters Uncaged" für Microsofts Kinect-Bewegungssteuerung bieten Spaß en masse und bringen den Spieler gehörig ins Schwitzen. Während "The Fight" jedoch einen eher simulationslastigen Ansatz verfolgt und dabei auf durchaus brutalen Realismus setzt, geht es in Ubisofts "Fighters Uncaged" zwar nicht unbedingt friedvoller, aber zumindest ein bisschen farbenfroher zur Sache. Der wohl größte Unterschied  aber ist die Steuerung. Großer Vorteil des Kinect-Titels: Der ganze Körper wird gefordert, zudem erlegt das Spiel auch Anfängern keinerlei Beschränkungen auf. "The Fight" hingegen bremst hier anfangs ein wenig die Freude und ignoriert die Bewegungen des Spielers so lange, bis sie mit den Fähigkeiten des virtuellen Charakters im Einklang sind. Daher ein knapper Sieg nach Punkten für Ubisofts "Fighters Uncaged".

The Fight
Plattform: PS3 (erfordert PlayStation Move)
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 7/10

Fighters Uncaged
Plattform: Xbox 360 (erfordert Kinect)
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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