11.04.2021 15:55 |

Ach, übrigens...

Finnische Präzision

Eigentlich sind die Schweizer ja für ihre Präzision bekannt. Nun passierte es aber just IN der Schweiz, dass ein Finne eidgenössische „Schlamperei“ aufdeckte...

Gäbe es auf der Dufourspitze, dem Liskamm oder dem einer Schweizer Schoggispezialität nachempfundenen Matterhorn ein Stadion, so wäre dieses das höchstgelegene der Confoederatio Helvetica. Da dies aber nicht der Fall ist, wird man im nahen St. Gallen fündig, wo der Kybunpark das Maß der Dinge in Sachen Arenen-Meereshöhe im Schweizer Profifußball ist. Ausgerechnet in dieser autobahnnahen Shopping-Kampfbahn hat die sprichwörtliche Schweizer Präzision kürzlich einen veritablen Kratzer (um nicht zu sagen eine Büülä) bekommen. Für eine Nation, die auf Genauigkeit so viel Wert liegt, sei es in der Haute Horlogerie, sei es im Armbrustschießen auf einheimisches Kernobst, ist das fast schon imageschädigend.

Kurz vor dem Qatarifikationsspiel Schweiz gegen Litauen war einem Mann mit Adleraugen eines der beiden Eckigen, in die das Runde muss, iberisch vorgekommen. Wer das genau war, ist nicht mehr eindeutig festzustellen, aber vieles spricht für den Vierten Offiziellen namens Antti Munukka aus Finnland. Dessen Vermutung, eines der beiden Tore sei höher als die vorgeschriebenen (kaufmännisch gerundeten) 4,11 Kynnärä, führte zu einer lasertechnisch gestützten Überprüfung, die ergab, dass die in den FIFA-Regeln festgeschriebene und nicht verhandelbare Höhe von acht Fuß um 0,33 oder 0,66 Korttell (hier weist die Berichterstattung eine erstaunliche Unschärfe auf) überschritten war und so bestenfalls für einen zwölftklassigen Limbo-Wettbewerb, nicht aber für eine hochoffizielle FIFA-Veranstaltung geeignet gewesen wäre.

Flott wie die Eidgenossen nun mal sind, konnte umgehend für regelkonformen Ersatz in der Normhöhe von 96 Zoll gesorgt werden und so das Spiel zääknirschend cum tempore begonnen und von der Schweiz auch gewonnen werden, weshalb man sich doofe Kommentare wie „Die Latte lag zu hoch“ im Falle einer Niederlage erspart hat. Dass der „Mangel von St. Gallen“ so zügig behoben wurde, hat uns leider um eine Paraphrase der Reportage beim „Torfall von Madrid“ 1998 gebracht, als Günther Jauch und Marcel Reif eine Stunde lang aus dem Bernabéu-Stadion die fieberhaften Versuche, ein zusammengekrachtes Tor zu ersetzen, mit Sätzen wie „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gutgetan“ (Reif) oder „Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben, (…) das erste Tor ist schon gefallen.“ (Jauch) kommentierten. Diese Sternstunde der Sportreportage verfolgten damals 12,76 Millionen Menschen, das anschließende Spiel Real Madrid gegen Borussia Dortmund noch knapp die Hälfte davon. Immerhin.

Harald Petermichl
Harald Petermichl
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