01.04.2021 14:43 |

Soldat der Zukunft

Microsoft liefert 120.000 HoloLens-Brillen an Army

Das Pentagon hat Microsoft einen milliardenschweren Auftrag zur Bereitstellung von mehr als 120.000 HoloLens-Datenbrillen für die US-Armee erteilt. Das Augmented-Reality-Headset soll die Soldaten der Zukunft bei ihrer Ausbildung, aber auch im Kampf auf dem Schlachtfeld mit Daten versorgen, die für eine „Überlegenheit gegen aktuelle und zukünftige Gegner erforderlich sind“, so das US-Verteidigungsministerium.

Wie der US-Sender CNBC berichtet, hat der am Mittwoch bekannt gegebene Auftrag einen Wert von rund 21,9 Milliarden Dollar und eine Laufzeit von fünf Jahren, mit der Option auf eine Verlängerung um weitere fünf Jahre. Die beim Militär Integrated Visual Augmented System, kurz IVAS, genannte Computerbrille auf Basis von Microsofts HoloLens-Headset und einer Anbindung an dessen Cloud-Dienst Azure soll eine Plattform bieten, „die Soldaten sicherer und effektiver machen wird“, wie Microsoft-Manager Alex Kipman in einem Blogeintrag erklärte. Das Pentagon-Portal Programm Executive Office Soldat ergänzte, das neue System ermögliche es den Soldaten, „auf einer einzigen Plattform zu kämpfen, Einsätze zu proben und zu trainieren“.

Die militärische Ausgabe der Augmented-Reality-Brille verfügt demnach gegenüber den für rund 3850 Euro erhältlichen zivilen Version über Extras wie hochauflösende Nacht- und Wärmebildkameras sowie zusätzliche Sensoren, um den Soldaten im Feld bei der Orientierung, Entscheidungsfindung, aber auch der Zielerfassung zu unterstützen. Damit liefere das System Daten, die für eine „Überlegenheit gegen aktuelle und zukünftige Gegner erforderlich sind.“

„Wie ‘Call of Duty‘“
Das System nutze außerdem Augmented Reality und maschinelles Lernen, um eine „lebensechte Mixed-Reality-Trainingsumgebung zu erschaffen“, in der der Nahkämpfer vor dem Einsatz gegen einen Gegner üben könne, so das Pentagon weiter. Ein CNBC-Mitarbeiter hatte bereits 2019 einen ersten Blick auf IVAS werfen können. Er beschrieb die Verschmelzung von virtueller und „echter“ Realität damals mit den Worten: „Es war fast wie ein echtes Spiel von ‘Call of Duty‘.“

Mitarbeiter-Protest verhallte ungehört
Bei Microsoft hatte die Entwicklung des Army-Headsets intern Proteste verursacht. In einem offenen, via Twitter verbreiteten Brief an Microsoft-CEO Satya Nadella und Chefjustiziar Brad Smith protestierten Mitarbeiter gegen die Zweckentfremdung der Technologie: „Wir weigern uns, Technologien für Kriegsführung und Unterdrückung zu entwickeln. Wir sind beunruhigt, dass Microsoft daran arbeitet, Waffentechnologie für das US-Militär bereitzustellen und der Regierung eines Landes zu helfen, mithilfe von Tools, die wir entwickeln, die Letalität zu erhöhen“, schrieben sie.

Microsoft habe zwar schon zuvor Technologien an das US-Militär lizenziert, jedoch nie die Grenze zur Waffenentwicklung überschritten. Die Anwendung von HoloLens „soll Menschen beim Töten helfen. Es wird auf dem Schlachtfeld eingesetzt und funktioniert, indem es die Kriegsführung in ein simuliertes ‚Videospiel‘ verwandelt und die Soldaten weiter von den grimmigen Herausforderungen des Krieges und der Realität des Blutvergießens entfernt“, kritisierten sie und forderten daher von Microsoft die Auflösung des Vertrags mit dem US-Militär sowie die Einstellung aller Arbeiten zur Entwicklung von Waffentechnologien. Offenbar vergeblich, wie sich nun zeigt.

Microsofts Chefjustiziar Smith kommentierte den Deal am Mittwoch mit den Worten: „Seit zwei Jahrhunderten verändert die Technologie die Natur dessen, was zur Verteidigung einer Nation benötigt wird. Wir sind langjährige Unterstützer des @DeptofDefense und @USArmy in ihrem Bemühen, das US-Militär durch fortschrittliche Technologie zu modernisieren.“

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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