Mi, 24. April 2019
08.04.2019 10:23

Army zeigt Headset

Wie „Call of Duty“: Supersoldaten durch HoloLens

Ungeachtet der Proteste von Mitarbeitern schreitet die Entwicklung einer speziellen Version von Microsofts Mixed-Reality-Brille HoloLens für das US-Militär voran. Der US-Fernsehsender CNBC konnte nun erstmals einen Blick auf das IVAS genannte System werfen, mit dem US-Soldaten das Töten trainieren sollen. Fazit: „Es war fast wie ein echtes Spiel von ‘Call of Duty‘."

Microsoft hatte vergangenen November von der US-Army einen rund 480 Millionen US-Dollar schweren Auftrag zur Entwicklung eines „Integrated Visual Augmentation System“ erhalten. Dessen offizielles Ziel: mittels der Mixed-Reality-Brille HoloLens eine Plattform zu entwickeln, mit der Soldaten die „zur Überwindung derzeitiger und zukünftiger Gegner notwendige Tödlichkeit, Mobilität und situative Aufmerksamkeit“ trainieren können.

“HoloLens For Good, Not War“
In einem offenen, via Twitter verbreiteten Brief an Microsoft-CEO Satya Nadella und Chefjustiziar Brad Smith protestierten Mitarbeiter des Konzerns daher Ende Februar gegen die Zweckentfremdung der Technologie: „Wir weigern uns, Technologien für Kriegsführung und Unterdrückung zu entwickeln. Wir sind beunruhigt, dass Microsoft daran arbeitet, Waffentechnologie für das US-Militär bereitzustellen und der Regierung eines Landes zu helfen, mithilfe von Tools, die wir entwickeln, die Letalität zu erhöhen“, kritisierten die Mitarbeiter.

„Grenze zur Waffenentwicklung überschritten“
Microsoft habe zwar schon zuvor Technologien an das US-Militär lizenziert, jedoch nie die Grenze zur Waffenentwicklung überschritten. „Mit diesem Vertrag schon“, schreiben die Mitarbeiter weiter. Die Anwendung von HoloLens „soll Menschen beim Töten helfen. Es wird auf dem Schlachtfeld eingesetzt und funktioniert, indem es die Kriegsführung in ein simuliertes ‚Videospiel‘ verwandelt und die Soldaten weiter von den grimmigen Herausforderungen des Krieges und der Realität des Blutvergießens entfernt.“

„Call of Duty“ in echt
Den Vergleich zu einem Videospiel zieht nun auch CNBC-Reporter Todd Haselton, nachdem er einen Prototyp der speziell für das Militär adaptierten HoloLens-Brille ausprobieren konnte. „Als ich das Headset das erste Mal aufsetzte, sah ich eine Karte vor mir, die genau zeigte, wo ich war. Es gab mir eine Vogelperspektive auf das Gebäude, in dem ich stand, und zeigte auch ein nahegelegenes Gebäude. (...) Als ich meinen Kopf drehte, drehte sich auch ein kleines Pfeilsymbol, das meinen Standort darstellt. Ich konnte auch einige andere Punkte sehen, die meine anderen Truppmitglieder darstellten, die ebenfalls die Headsets trugen“, schildert er.

Als er sich bewegte, konnte er schließlich verschiedene Wegpunkte sehen, die in verschiedenen Graden markiert waren. Ein Soldat könnte dieses Feature nutzen, um Mitglieder seiner Truppe oder eine bekannte feindliche Position zu lokalisieren. „Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie vielleicht ein Gamer. Die ganze Erfahrung fühlte sich für mich natürlich an, da ich viele Ego-Shooter gespielt habe, die mir genau zeigen, wo ich auf einer Karte bin, wo meine Teamkollegen sind und wo der Feind ist. Es war fast wie ein echtes Spiel von ‘Call of Duty‘.“

Vielfältige Einsatzwecke
Geht es nach dem US-Militär, soll das Microsoft-Headset aber nicht nur auf dem Schlachtfeld Verwendung finden. „Es ist nicht nur für den Einsatz im Kampf gedacht“, so Ryan McCarthy von der US-Army gegenüber CNBC. „Wir können Daten über einen Soldaten in der Ausbildung sammeln und seine Treffsicherheit verbessern. Wir können ihre Herzfrequenz sehen.“ In Trainingseinrichtungen, in der Soldaten durch Räume laufen und diese von virtuellen Feinden befreien, könnten Befehlshaber etwa genau mitverfolgen, was die Soldaten beim Betreten gesehen haben und anschließend entsprechende Manöverkritik äußern.

Erste Brillen ab 2022 im Einsatz
Noch ist die aktuelle Version der Augmented-Reality-Brille jedoch zu groß, um zusammen mit Helmen verwendet zu werden. Bei der Army gibt man sich jedoch optimistisch, das Headset binnen sechs Monaten auf die Größe einer Sonnenbrille zu schrumpfen. In drei bis vier Jahren, schätzt McCarthy, könnte die US-Army dann damit beginnen, Microsofts HoloLens an „Abertausende Soldaten in den Streitkräften“ zu verteilen.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Brasilien trauert
Ehemaliger Top-Kicker auf offener Straße getötet
Fußball International
PlayStation-Herzstück
PS5: Was man über den Prozessor zu wissen glaubt
Elektronik
Sharon-Stone-Stil
Renee Zellweger: Erotisches TV-Comeback mit 50
Video Stars & Society
„Implantat fürs Leben“
Erste Herzschrittmacher ohne Batterie in Schweinen
Elektronik
Wilde Szenen im Video
Horror-Crash! Biker sorgen für Schrecksekunde
Motorsport

Newsletter