Die Überraschung war groß: Lisa Hauser verkündete am Mittwochabend via „Instagram“, dass sie ihre eindrucksvolle Karriere in wenigen Tagen beenden wird. Im Interview mit der „Krone“ sprach die 32-jährige Ex-Weltmeisterin über die Beweggründe, besondere Momente und Zukunftspläne.
„Krone“: Lisa, deine Rücktrittserklärung kam für viele völlig überraschend. Warum dieser Schritt?
Lisa Hauser: Wenn du mich vor der Saison gefragt hättest, hätte ich gesagt, ich mache bis 2028 weiter. In mir ist aber das Gefühl aufgekommen, dass alles brutal viel Energie kostet. Mit meinem Verfolger-Sieg in Östersund ist ein riesiges Ziel in Erfüllung gegangen. Dann sind Gedanken gekommen, ob ich will, weiter Leistung bringen zu müssen.
Die Antwort war „nein“.
Genau. Das Gedankenkarussell ging dann los. Ich konnte oft nicht schlafen. Irgendwann ist mir bewusst geworden, dass sich meine Prioritäten verschoben haben. Der Sport war Hauptbestandteil meines Lebens. Familie und Freunde haben sich danach gerichtet, wofür ich dankbar bin. Ich bin aber nicht mehr bereit, ihm alles unterzuordnen. Ich schaue mit Stolz zurück, es ist aber Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.
Wie fühlt es sich an, das offen auszusprechen?
Es ist befreiend! Seit das Team es weiß, bin ich erleichtert. Ich musste es jetzt einfach loswerden (lacht). Die letzten Jahre waren sehr stressig. Mir ging es auch nicht immer gut – körperlich und psychisch. Es ist schwierig, immer etwas leisten zu müssen. Die Energie, hundert Prozent zu investieren, habe ich nicht mehr.
Hast du die Entscheidung alleine getroffen oder in Abstimmung mit deinen Liebsten?
Ich habe mit meinem Freund Lorenz ständig gesprochen. Er wusste Bescheid und kennt das ja auch aus der Sportlersicht. Er hat immer gesagt, dass ich diese Entscheidung für mich treffen muss. Da hat mich niemand beeinflusst.
Wie schwer fällt es dir, Abschied zu nehmen?
Ich habe von allen positives Feedback bekommen. Sie hatten Verständnis, aber auch ein weinendes Auge. Wie bei mir. Ich weiß gar nicht, wie das Leben ohne Biathlon ist. Ich verbinde so viele Gefühle mit dem Sport: Zorn, Trauer, vor allem aber viele schöne Emotionen. Die nächsten Tage werden sicher eine emotionale Achterbahnfahrt.
Ich verbinde so viele Gefühle mit dem Sport: Zorn, Trauer, vor allem aber viele schöne Emotionen. Die nächsten Tage werden eine emotionale Achterbahnfahrt.
Lisa Hauser
Wer waren deine wichtigsten Wegbegleiter?
Es gab viele Wegbegleiter – Trainer, Physiotherapeuten, Serviceleute. Hervorheben möchte ich Sandra Flunger und Alfred Eder. Wir haben gemeinsam viele Höhen erlebt und Täler durchschritten. Wir haben viele Sachen auf eigene Faust erreicht, so etwas schweißt zusammen.Sie standen immer an meiner Seite, auch wenn es mal nicht so gelaufen ist – und vor allem dann. Rückblickend weiß ich das noch mehr zu schätzen, weil sie mich immer aufgebaut haben. Sie werden auch beide diese Woche in Oslo dabei sein, wie meine Eltern und jene von Lorenz.
Flunger war es, die dich einst zum Biathlon gebracht hat?
Genau, sie war ja schon meine Trainerin in der HIB Saalfelden. Ich war Langläuferin und wollte schon zu den Biathleten wechseln, bin dann aber in den (ÖSV-)Kader der Langläufer gekommen. Ein Jahr später sind wir das Wagnis Biathlon eingegangen. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.
WM-Gold, Kristallkugel, Weltcupsiege – hättest du das damals zu träumen gewagt?
Nein, niemals hätte ich das zu träumen gewagt. Ich wollte ja auch nicht unbedingt Langläuferin oder Biathletin werden, als ich klein war. Ich hatte aber zur richtigen Zeit die richtigen Leute um mich. Sie haben mir im Jugendalter den Weg gewiesen. Rückblickend ist es unglaublich, dass über die vielen Jahre passiert ist. Da waren viele erste Male dabei. Als ich zur Mannschaft gekommen bin, hatten wir zwei Startplätze, jetzt fünf. Kathi Innerhofer (Komatz) und ich waren als erste bei Olympia dabei. Das macht mich stolz.
Welche Momente bleiben dir besonders in Erinnerung?
Der WM-Titelhat die meiste Aufmerksamkeit erregt. Es gab aber viele Meilensteine. Der Sommer nach den Winterspielen in China ist überhaupt nicht gut verlaufen, dann kommen wir nach Kontiolahti und ich gewinne den Sprint. Da versteht man die Welt im positiven Sinne nicht. Das war für mich und alle um mich herum überraschend. In derselben Saison habe ich den Massenstart in Frankreich gewonnen, das war vielleicht der coolste, weil zigtausende Leute dabei waren. Der erste Top-10-Platz, das erste Mal in den Top 6, das erste Podest in Oberhof auf der zachsten Strecke. Ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte.
Was nimmst du mit?
Ich durfte viele tolle Sachen erleben. Spitzensport ist aber kein Wunschkonzert und oft läuft es nicht nach Wunsch. Nach einem Großteil der Rennen bist du nicht zufrieden. Man sieht abger oft nur die schönen Sachen, was auch gut ist. Der Sport ist aber eine beinharte Lebensschule.
Welche Ziele verfolgst du in deiner letzten Weltcupwoche, die am Donnerstag mit dem Sprint in Oslo startet?
Ich will noch einmal gute Ergebnisse machen und starte, um vorne mitzulaufen. So macht es auch am meisten Spaß. Wenn ich am Sonntag (Massenstart, Anm.) aber als 28. nach dem vierten Schießen rauslaufe, werde ich auf meiner letzten Runde sicher nicht mehr voll laufen (lacht).
Worauf bist du besonders stolz und was wünschst du dir für den heimischen Biathlon?
Stolz bin ich auf das Erreichte, nicht nur die Siege, sondern auch Kleinigkeiten wie mehr Startplätze zu ergattern mit Kathi. Ich werde das Geschehen weiterverfolgen und wünsche allen nur das Beste. Hoffentlich gelingt bald das erste Damen-Stockerl – dafür werden sie mich nicht brauchen.
Hast du Zukunftspläne?
Plan ist, die nächsten Monate zu genießen. Es ist brutal viel passiert, das muss ich verarbeiten.
Biathleten genießen den Ruf, am Ende einer Saison auch mal richtig feiern zu können. Wie viel Partytiger steckt in dir?
(lacht) Wir haben schon in Estland (Weltcup in Otepää, Anm.) eingekauft, weil es da billiger ist als in Norwegen. Am Sonntag geht’s sicher rund, es wird aber auch hart, weil wir am Montag heimfliegen. Wenn man den ganzen Winter nichts trinkt, dauert’s aber nicht lange, bis man gut drauf ist.
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