27.12.2010 11:05 |

WikiLeaks-Finanzen

Gehalt und Buch-Deal: Assange kriegt erstmals Geld

Zum ersten Mal, seit er sich zum Ritter der Transparenz erklärt hat, verdient WikiLeaks-Gründer Julian Assange jetzt Geld. Der 39-Jährige, der noch vor wenigen Jahren seine Kollegen um einen Schlafplatz und eine Bahnfahrkarte anschnorren musste, hat von der Wau-Holland-Stiftung 66.000 Euro Jahresgehalt bekommen. Die Stiftung verwaltet die Spenden an WikiLeaks, im Jahr 2010 rund eine Million Euro. Nebenbei hat Assange jetzt auch einen Millionen-Deal für seine Memoiren gelandet.

Glaubt man den WikiLeaks-Aussteigern, die dieser Tage bereitwillig kritische Betrachtungen über Julian Assange abgeben, so spricht der gebürtige Australier noch eher über die schwedischen Sex-Vorwürfe als über Geld, so verhasst sei ihm das Thema.

Bis zum Scoop mit dem Irak-Video, das die Erschießung eines unbewaffneten Reuters-Kamerateams durch das US-Militär zeigt, lebte der WikiLeaks-Gründer auf Kosten seiner Mitstreiter, die im Unterschied zu ihm nebenbei einem "weltlichen" Beruf nachgingen. Laut Daniel Domscheit-Berg, einst WikiLeaks-Sprecher und seit seinem Ausstieg wegen Assanges zunehmendem Egotrip ein scharfer Kritiker, hatte der 39-Jährige bei einem längeren Deutschlandbesuch 2005 nicht einmal das Geld für ein Hotel oder eine Wohnung.

Alle zwei Wochen habe er bei einem anderen Kollegen oder Bewunderer übernachtet. Derartige "Couchsurfing"-Trips hatte Assange auch in Schweden unternommen, u.a. bei jenen beiden Frauen, die nun die Sex-Vorwürfe gegen ihn vorgebracht haben.

100.000 Euro ausgezahlt, zwei Drittel an Assange
Das Irak-Video, die Militärreports aus dem Afghanistan-Krieg und zu Jahresende die "Cablegate"-Dokumente haben WikiLeaks heuer einen Boom beschert. Wie das US-amerikanische "Wall Street Journal" bei der in Deutschland ansässigen Wau-Holland-Stiftung recherchierte, wurde im ablaufenden Jahr 2010 rund eine Million Euro an WikiLeaks gespendet. 2009 hatte WikiLeaks noch ein Budget von 150.000 Euro, das fast ausschließlich für Server, Software und hauptsächlich von Assange geltend gemachte Reisespesen draufging.

Erstmals zahlte die Stiftung nun Gehälter an die WikiLeaks-Aktivisten aus. Und zwar bisher 100.000 Euro an insgesamt sieben Personen, wobei Assange eine davon ist und gleich zwei Drittel des Gesamtbetrags erhielt. Beim Bezahlmodell, über das ein Jahr debattiert worden sei, orientiere man sich an der Umweltorganisation Greenpeace, die ihren Bereichsleitern monatlich 5.500 Euro zahle.

Ansonsten blieb man sparsam: Nur 380.000 Euro seien 2010 für Hardware, Internetleitungen und Reisespesen aufgewendet worden, knapp 30.000 Euro für Anwälte und Rechtshilfe. Der letzte Posten könnte sie im nächsten Jahr drastisch erhöhen, sollten z.B. die USA gegen WikiLeaks-Aktivisten gerichtlich vorgehen.

Buch-Deal für Schweden-Verteidigung
Für die Verteidigung Assanges in der schwedischen Sex-Causa werde hingegen kein Geld aufgewendet, hieß es von der Wau-Holland-Stiftung, benannt nach dem Mitgründer des deutschen Chaos Computerclubs. Jedoch wurde auf WikiLeaks kürzlich der "Julian Assange Defense Fund" ins Leben gerufen, mit dem der 39-Jährige explizit zu Spenden aufruft, um sich gegen die schwedischen Vorwürfe verteidigen zu können. Das Auslieferungsbegehren bezeichnet Assange nach wie vor als politisch motiviert.

Am Wochenende meinte er sogar, ihm drohe ein Attentat im "Jack-Ruby-Stil" (Mörder von Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald, Anm.), sollte er an die USA ausgeliefert werden. Weil die britische Zeitung "The Guardian", der Assange heuer exklusiven Zugang zu den "Cablegate"-Dokumenten gewährte, vor einer Woche aus den ihr zugespielten schwedischen Ermittlungsakten zitierte, ortet Assange neben einer politischen Verschwörung nun auch eine Medienkampagne gegen ihn.

Das hindert Assange jedoch trotzdem nicht, einen weiteren "Pakt mit dem Teufel" zu schließen (Kritiker werteten die Exklusiv-Vergabe der "Cablegate"-Depeschen an einzelne Medien bereits als solchen): Der Australier hat Vereinbarungen mit Verlagshäusern in den USA und Großbritannien unterzeichnet, die voraussichtlich über 1,2 Millionen Euro für seine Lebensgeschichte bringen werden. Er wolle dieses Buch nicht schreiben, "aber ich muss", sagte Assange laut einem Bericht der britischen "Sunday Times".

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