22.03.2021 08:00 |

Ländle stellt sich auf

Ein Zukunftsbild für unsere Industrie

Die Industrie zeichnet ein Zukunftsbild: Warum sich Vorarlberg regional anders aufstellen muss, was die heimische Industrie für das Wohl der Bevölkerung tut und wieso das nichts mit Eigenlob zu tun hat.

Wir brauchen langfristige Perspektiven und eine Vision", forderte Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg, im Krone-Interview im Hinblick auf die österreichische Wirtschaftspolitik. Und er bezog sich damit keineswegs nur auf die aktuelle Corona-Situation – vielmehr lasse Österreich schon seit Jahren nachhaltige und zukunftsweisende Wirtschaftsstrategien vermissen.

Mit der Initiative „Vom Mittelmaß zur Exzellenz“ hat die IV Vorarlberg bereits 2016 einen Weg aufgezeichnet, wie das Ländle zu den wettbewerbsfähigsten und lebenswertesten Standorten Europas aufschließen kann. Und wenngleich politische Mühlen langsam mahlen, konnten in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen auf Schiene gebracht werden.

„Big Picture“
So setzt sich die IV Vorarlberg beispielsweise schon lange dafür ein, dass der Lebensraum Vorarlberg vermehrt urbane Elemente beinhaltet. Dazu wurde das „Big Picture“ etabliert: ein großes Zukunftsbild, das unser Land in „Vorarlberg Stadt“ (Rheintal, Walgau) und „Vorarlberg Land“ mit sieben Talschaften einteilt. Dass das Rheintal erst kürzlich von der EU als überwiegend städtische Region eingestuft wurde, ist laut Ohneberg ein Schritt in die richtige Richtung. Allein: „Auf Landesebene wurde in der Hinsicht bis dato zu wenig gesteuert. Und das, obwohl das Zusammenspiel von dynamischem Wirtschaftsraum und attraktivem Lebensraum im internationalen Standortwettbewerb hervorragende Perspektiven bieten würde.“ Eines ist ihm allerdings auch klar: „Politik ist immer auch die Kunst des Kompromisses – als Unternehmer ist man das eben nicht so gewohnt.“

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„Politik ist immer auch die Kunst des Kompromisses – als Unternehmer ist man das eben nicht so gewohnt.“

Martin Ohneberg

Jeder dritte Arbeitsplatz ist hierzulande in einem Industriebetrieb zu finden. Überdies entfallen fast 40 Prozent der Wertschöpfung auf die heimische Industrie, die zudem hohe Einkommen generiert und beträchtliche Steuerleistungen erbringt. Folglich nimmt es nicht Wunder, dass Standortthemen wie Verwaltung, Raumplanung, Mobilität, Bildung, Innovation und Digitalisierung vonseiten der Industrie offensiv angesprochen werden.

Dass sich Vorarlbergs Unternehmen ihren Mitarbeitern und dem Standort verschrieben haben, verdeutlicht eine Erhebung, die die IVV zusammen mit dem Verhaltensökonom Gerhard Fehr durchgeführt und Anfang des Jahres präsentiert hat: So investieren die Betriebe jährlich über eine Milliarde Euro für die „gute Sache“ – davon profitieren die Mitarbeiter, die heimische Bevölkerung aber auch die globale Gesellschaft. Dieser freiwillige Beitrag – übrigens mehr als die Hälfte des Landesbudgets – fließt etwa in Vereine, den Kulturbereich oder in Sozial- und Umweltprojekte.

Ein Wertewandel
Eine ebenfalls im Auftrag der IVV im Vorjahr durchgeführte Zukunftsumfrage, an der rund 1200 Vorarlberger teilgenommen haben, zeigt, dass die heimische Industrie mit ihrem Engagement den Nagel auf den Kopf trifft. Die Ergebnisse belegen zudem einen deutlichen Wertewandel, der nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde. Auf die Frage, welche Themen den Menschen besonders wichtig sind und bei welchen Themen sich die Industrie besonders stark engagiert, kristallisierten sich drei gemeinsame Top-Bereiche heraus: Sichere und beste Arbeitsplätze, hochwertige Ausbildung und „Made in Vorarlberg“.

Des Weiteren kam klar zum Ausdruck, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt immer mehr an Gewicht gewinnen. Eines möchte Ohneberg besonders betont wissen: Es gehe der IV nicht darum, mittels diverser Studien den heimischen Industriesektor mit Eigenlob zu überschütten, vielmehr wolle man ein Bewusstsein für die enge Verbindung der Unternehmen mit dem Land und seinen Menschen schaffen: "Es wird oft unterschätzt, wie bedeutend erfolgreiche Betriebe als Partner und Förderer zum Wohle aller sind." Oder anders formuliert: Es geht um das Miteinander und es geht nur miteinander.

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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