22.03.2021 00:00 |

Blitz-Opel

Opel Mokka: Französisches Auto nach deutscher Art

Der Name Mokka hat eigentlich nie wirklich zu Opels kleinem SUV gepasst. Er war weder klein noch stark. Bei der neuen Generation ist das anders: Jetzt, da er als Bruder von Citroen C4 oder Peugeot 2008 auf der CMP-Plattform des Stellantis-Konzerns daherrollt, hat er an Kontur und Frischegewonnen und ist von der Größe her viel mehr Espresso als Filterkaffee. Die Zubereitung ist wahlweise per Verbrennung oder elektrisch möglich.

Jeweils zwölfeinhalb Zentimeter kürzer (4,15 Meter) und flacher (1,53 Meter) ist er jetzt, daher auch im Innenraum eine Spur knackiger, aber mit besserem Platz/Größenverhältnis. Wie beim Kaffee, wo in einer kleinen Tasse Espresso genauso viel Koffein drin ist wie in einer normalen Tasse aufgebrühtem. Nur bekömmlicher. Und eleganter.

Wohlwollend betrachtet erinnern die dicken Schweller am Einstieg an die herrlich dickwandigen Caffé-Tassen in italienischen Bars, doch gerade mit dem wegen des Platzbedarfs für die Antriebsbatterie vergrößerten Sitzunterbau verlangt das Einsteigen ein wenig Aufmerksamkeit, damit man nicht mit den Füßen aneckt.

Sitzt man erstmal drin, blickt man auf ein angenehm modernes, sehr aufgeräumtes Cockpit. Allerdings auch auf einen etwas wilden Mix aus vielen verschiedenen Materialien, etwa an den Türverkleidungen. Trotz Touchscreen sind genügend echte Tasten vorhanden, mit denen man die Hauptmenüpunkte aufrufen kann, und die Klimaregelung ist herausgelöst - gut so! Auch für Lenkradheizung oder Spurhalter braucht man nicht in ein Menü einzutauchen. Wenn nun noch die Navi-Bedienung übersichtlicher wäre und die Karten besser verständlich, wären wir vollends zufrieden.

Das Kofferraumvolumen beträgt in beiden Varianten 350 Liter. Klappt man die Rücksitzlehnen um, erhält man eine fast ebene Ladefläche, auf der man im Mokka 1105, im Mokka-e 1060 Liter Gepäck verstauen kann. Es empfiehlt sich, drin immer einen Lappen liegen zu haben, denn die Öffnertaste befindet sich am Stoßfänger und ist grundsätzlich schmutzig.

Eine Leistungsstufe, zwei Antriebsprinzipien
Für erste Probefahrten standen ein Opel Mokka und ein Opel Mokka-e mit fast gleicher Leistung zur Verfügung, beide mit Frontantrieb (Allradantrieb wird nicht angeboten). Der Elektro-Mokka macht mit seinen 100 kW/136 PS den spritzigeren Eindruck, noch mehr, als es sein zwei Zehntel besserer Sprintwert vermuten lassen würde, und obwohl er rund 300 kg mehr auf die Waage bringt. Er wuchtet seine 1523 kg (nach DIN) in 9,0 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt. Seine maximale Leistung erreicht er im Sportmodus. Wechselt man auf Normal oder Eco, liefert er nur 80 bzw. 60 kW. Das maximale Drehmoment liegt bei 260/220/180 Nm.

Der 50-kWh-Akku soll für 324 Kilometer nach WLTP reichen, danach dauert‘s bei 100 kW Ladestrom eine halbe Stunde, bis das Glas wieder zu 80 Prozent voll ist. Oder nur noch zu 20 Prozent leer. Mit dem optionalen Ladekabel einphasig an der 7,4-kW-Wallbox gibt Opel 6:45 Stunden an (3-Phasen-Lader kostet extra). Opel gewährt auf die Batterie acht Jahre oder 160.000 km Garantie, 70% der Kapazität müssen dann noch vorhanden sein.

Der 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner kommt auf 130 PS und 230 Nm, die er nur leicht verzögert abgibt und über die Achtgangautomatik geschmeidig portioniert. Wahlweise ist auch ein manuelles Schaltgetriebe erhältlich, das leicht bessere Fahrleistungen (9,1 statt 9,2 Sekunden, 202 statt 200 km/h) und etwas besseren WLTP-Verbrauch (5,5-5,6 statt 5,9-6,0 l/100 km) verspricht.

Als Alternativen unter der Haube bietet Opel noch einen 100-PS-Handschalter sowie einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 110 PS an.

Unterschiede im Fahrverhalten
Die Lenkung ist leichtgängig und bietet nur mäßige Rückmeldung. Was uns schon beim Peugeot 2008 aufgefallen ist: Das Mehrgewicht der Elektroversion tut dem Fahreindruck gut, der Mokka-e liegt satter auf der Straße. Eine Sänfte darf man sich in beiden Fällen nicht erwarten, der Mokka rollt eher hart über Unebenheiten drüber, schwingt aber etwas nach. Sein Bruder Citroen C4 wäre erste Wahl für Menschen, die auf die Antriebstechnik stehen, sich aber klassenbesten Komfort wünschen. Der Peugeot 2008 hingegen ist etwas konsequenter, was das prägnante Fahrverhalten betrifft.

Basisausstattung nur für Benziner
Die Zahl der serienmäßigen und optionalen Assistenten und Technikfeatures für einen kleinen Crossover beachtlich hoch. Das LED-Licht wird optional zum blendfreien Matrixlicht, Verkehrsschilder werden ab Werk erkannt; auch ob der Fahrer müde ist, die Spur nicht hält oder ein Fußgänger auf die Fahrbahn tritt, wird serienmäßig überwacht. Gegen Aufpreis gibt es zum Beispiel einen adaptiven Tempomaten mit Stop-and-Go Funktion (mit abschaltbarer Abstandhalte-Funktion!), den aktiven Spurhalte-Assistenten, der das Auto selbsttätig auch durch leichte Kurven steuert (wenn auch oft zu nah an der Linie) oder eine 180-Grad-Panorama-Rückfahrkamera.

Die Preisliste für den Opel Mokka beginnt bei 21.179 Euro für den 100-PS-Benziner mit Stahlfelgen. Der 130-PS-Benziner (mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder Achtgang-Automatik) sowie der 110 PS starke Diesel gut 23.000/25.500/23.500 Euro. Darüber gibt es noch drei weitere Ausstattungsstufen namens Elegance, GS-Line und Ultimate, wo der Ausstattungsumfang bis zum teilautonomen Fahrassistenten mit Adaptiv-Tempomat, Matrix-LEDs und Navi reicht.

Der Opel Mokka-e ist ab 34.439 Euro zu haben (abzüglich 5400 Euro Förderung). Das Universal-Ladekabel (max. 22 kW) mit Adapter für Haushaltssteckdose, öffentliches Laden und CEE-16-Industriesteckdose (Starkstrom) kostet 1450 Euro extra.

Der Opel Mokka kann bereits bestellt werden, ausgeliefert wird er ab April.

Fahrzit:
Keine Frage: Im Vergleich zum Vorgänger hat der Mokka extrem gewonnen, nicht nur die Option des Elektroantriebes. Das Design holt ihn aus der Fadesse heraus und macht ihn zum wahrscheinlich schönsten Opel zurzeit überhaupt, jedenfalls zum auffälligsten. Mit den Fahreigenschaften schafft er weniger eigene Identität, eckt damit aber auch nicht an. Die Fahne der einzigen deutschen Marke im Stellantis-Konzern hält der Mokka jedenfalls tapfer hoch.

Warum?
Flottes Design
Übersichtliche Armaturen

Warum nicht?
Leicht beengte Platzverhältnisse

Oder vielleicht ...
... VW T-Cross, Kia Stonic, Ford Puma, Peugeot 2008, Citroën C4

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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