20.12.2010 18:21 |

Denkmalschutz?

Im Café Hawelka könnte bald wieder geraucht werden

In der Wiener Kaffeehausinstitution Café Hawelka darf seit 1. Juli aufgrund des Tabakgesetzes nicht mehr geraucht werden. Das könnte sich aber bald wieder ändern. Denn der legendäre Familienbetrieb in der innerstädtischen Dorotheergasse könnte bereits in wenigen Wochen unter Denkmalschutz gestellt und damit vom Rauchverbot ausgenommen werden.

Wiens Landeskonservator Friedrich Dahm war in dieser Angelegenheit am Montag auf Lokalaugenschein vor Ort. Eine Entscheidung in der Causa werde womöglich noch im Dezember fallen, sagte er am Nachmittag.

Bescheid soll Mitte Jänner vorliegen
Die letzte Entscheidung über den entsprechenden Antrag liege bei der Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Barbara Neubauer, wollte sich Dahm auf keinerlei Prognosen einlassen. Vorgesehen ist ein Bescheid noch im Dezember, spätestens Mitte Jänner soll er vorliegen. Die Latte liege jedenfalls hoch. Schließlich seien aktuell nur vier Kaffeehäuser in Wien unter Denkmalschutz gestellt: Sperl, Prückel, Ritter und Landtmann.

Wie bei diesen Gastronomiestätten würde auch im Fall Hawelka nicht das gesamte Haus, sondern nur das Lokal den Schutzstatus erhalten. Schließlich handle es sich hierbei nicht um ein architektonisches Denkmal, sondern um ein kulturhistorisches, verwies Dahm auf die Reihe von bekannten Künstlern, welche in der Vergangenheit im Hawelka einen Stammplatz hatten.

Charakter des Cafés soll nicht verloren gehen
Der ehemalige Künstlertreff und nunmehrige Touristen-Hotspot unweit des Grabens misst knapp 90 Quadratmeter. Damit müssten die Hawelkas eine Raumtrennung einführen, wollten sie ihren Gästen weiterhin in einem Teil des Cafés den Glimmstängel erlauben. Eine derartige Baumaßnahme hatten die Betreiber aufgrund der Optik und Atmosphäre wiederholt abgelehnt. Ähnlich sieht das auch der Landeskonservator: "Durch eine Raumtrennung verliert das Café seinen Charakter."

Cafetiers beklagen Umatzeinbußen
Eine Reihe von Wiener Cafetiers hatte infolge der neuen Raucherregelung Umsatzeinbußen befürchtet. Hielt sich das Ausbleiben der rauchenden Kundschaft dank der Schanigärten in den Sommermonaten noch in Grenzen, verschärfte sich die Situation für einige Wirte spätestens mit dem kontinuierlichen Sinken der Temperaturen zunehmend.

Deshalb haben sich einige Kaffeehausbetreiber aus Kosten- oder ästhetischen Gründen offenbar entschlossen, keine Trennwand einzuziehen und die Regelung zu ignorieren oder zumindest hin und wieder ein Auge zuzudrücken. Denn immerhin sind in der Bundeshauptstadt in Sachen Rauchergesetz seit Auslaufen der Übergangsfrist bereits rund 1.000 Anzeigen eingelangt, sagte Oliver Birbaumer von den Magistratischen Bezirksämtern. Inklusive November waren es genau 972, für Dezember liegen noch keine Zahlen vor.

Hinsichtlich der verhängten Strafen könne man keine genauen Angaben machen, da hier die Zuordnung sehr schwierig sei. Allerdings ziehe ein überwiegender Teil der Anzeigen sehr wohl eine Bestrafung nach sich, so Birbaumer.

Strafen bis zu 10.000 Euro drohen
Bisher wurden bereits Pönalen von bis zu 3.000 Euro je Verstoß verrechnet. Der Strafrahmen kann im Wiederholungsfall auf bis zu 10.000 Euro ausgedehnt werden. Von den Anzeigen betroffen seien vor allem Lokale in der Innenstadt sowie in den Bezirken vier bis acht. Allerdings verzeichneten auch Bezirke, in denen sich größere Einkaufszentren befinden, eine überdurchschnittlich hohe Beschwerdeanzahl.

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