Trotz Drohungen
Nordkorea will nicht auf Schießübungen Seouls reagieren
Die Insel Yeonpyeong war vor knapp vier Wochen während einer ähnlichen Übung von nordkoreanischer Artillerie beschossen worden. Dabei starben vier Menschen. Nordkorea hatte vor "massiveren" Schlägen gewarnt, sollte Südkorea wie angekündigt neue Artillerieübungen in dem Spannungsgebiet unternehmen. Alle Zivilisten auf Yeonpyeong und vier benachbarten Inseln waren am Morgen vorsorglich aufgerufen worden, Schutzräume aufzusuchen.
Reaktion "lohnt sich nicht"
Eine Reaktion "lohnt sich nicht", hieß es am Montag von einem Vertreter der nordkoreanischen Armee. Nordkorea "verspürt nicht nach jeder verachtenswerten militärischen Provokation das Bedürfnis nach Vergeltung". Das kommunistische Land erkennt die Seegrenze im Gelben Meer nicht an, die zum Ende des Korea-Kriegs einseitig von einem UNO-Kommando gezogen wurde. Yeonpyeong und einige andere Inseln liegen deutlich näher an Nordkorea als am südkoreanischen Festland. Südkorea hatte das jüngste Schießtraining als Routineübung bezeichnet.
UN-Beratungen ergebnislos beendet
Indes sind die mehrstündigen Beratungen des UN-Sicherheitsrats über die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel gescheitert. Die 15 Ratsmitglieder hätten sich nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen können, teilte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin in der Nacht zum Montag in New York mit. Russland hatte die Dringlichkeitssitzung beantragt, nachdem sich die Spannungen zwischen Nordkorea und Südkorea am Wochenende weiter verschärft hatten.
Die USA teilten mit, es sei unwahrscheinlich, dass die Differenzen zwischen den einzelnen Mitgliedern überbrückt werden könnten. Österreich, das noch bis Jahresende Mitglied im Sicherheitsrat ist, war bei den Beratungen durch Botschafter Thomas Mayr-Harting vertreten.
USA bezeichnen Situation als "Pulverfass"
Uneinigkeit gab es offenbar bei der Frage, ob Nordkorea öffentlich für die Eskalation verantwortlich gemacht werden könne. Während die westlichen UN-Ratsmitglieder eine Verurteilung Nordkoreas anstrebten, wollten Russland und China, dass sich der Rat in der gemeinsamen Erklärung darauf beschränkt, beide Seiten zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt aufzurufen. Vertreter Chinas und der USA bezeichneten die Situation zwischen Nord- und Südkorea als "extrem" prekär und sprachen von einem "Pulverfass".
Atominspektoren sollen wieder zugelassen werden
Der US-Sender CNN berichtete, Nordkorea habe sich bereiterklärt, wieder internationale Atominspektoren in seinen umstrittenen Nuklearkomplex Yongbyon zuzulassen. Außerdem wolle das kommunistische Land über den Verkauf von 12.000 atomaren Brennstäben ins Ausland verhandeln. Nordkorea habe diesen Schritten nach Diskussionen zwischen Regierungsbeamten in Pjöngjang und dem Gouverneur des US-Staates New Mexico, Bill Richardson, zugestimmt.
Die Regierung in Seoul reagierte zurückhaltend auf den CNN-Bericht. Man müsse erst abwarten, welche Absichten Nordkorea damit verfolge und wie weit das Land den Inspektoren Zugang zu seinen Atomanlagen gewähren wolle, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul.
CNN berichtete, dass Nordkorea auch einen Vorschlag von Richardson erwägen wolle, eine Militärkommission mit Vertretern aus den USA, Nordkorea und Südkorea einzurichten. Auch eine getrennte "Hotline", eine Art Rotes Telefon zwischen den Streitkräften beider koreanischer Staaten, könne erörtert werden. Richardson hatte in den vergangenen Tagen bei inoffiziellen Bemühungen um eine Entspannung des Konflikts auf der Halbinsel auch Pjöngjang besucht.
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