80. Geburtstag im März

Richard Agreiter: Kunst als Lebensmittelpunkt

Tirol
14.03.2021 18:00
Der in Steinberg am Rofan aufgewachsene und heute noch dort lebende Bildhauer Richard Agreiter feiert diesen Monat seinen 80. Geburtstag. Der Künstler hat sich in den Neunzigerjahren auf den Bronzeguss spezialisiert. Heute gilt er mehr als zu Recht – und das weit über die Grenzen hinaus – als einer der Großen seiner Zunft.

Carl Aigner, der Direktor des Museums Niederösterreich, sprach 2014 in Wien bei seiner Laudatio bei der Enthüllung der fünf Meter hohen, sich langsam um die eigene Achse drehenden, zweieinhalb Tonnen schweren Bronze-Skulptur „Genese“ in Richtung des Erschaffers des Kunstwerkes folgende Worte: „Die Genese ist eine der wunderbarsten Großplastiken, die in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden ist. Mit seinem Schaffen ordnet sich Richard Agreiter in die Reihe großer Bildhauer wie Anton Hanak, Fritz Wotruba oder Alfred Hrdlicka ein“. Das Mysterium des Daseins, der Mensch verkörpert durch seine Gestalt, wird und ist Teil der Natur, um in dieser Symbiose zeitlos mit ihr verknüpft zu bleiben. Diese Grundlinie stellt die hervorragende Qualität des Künstlers Richard Agreiter dar, der am 25. März seinen 80. Geburtstag feiert.

Alles begann mit einer Flucht
Die Lebensgeschichte Agreiters beginnt in einer – die drei Teile Tirols betreffenden – dunklen Zeit. Seine Eltern sind Ladiner. Von dort aus haben sie im Zuge der „Option“ das heimische Gadertal verlassen und sind nach Böhmen umgesiedelt worden, wo Richard Agreiter 1941 geboren wurde. Im Spätherbst dieses Jahres kam die Familie zu Verwandten nach Steinberg am Rofan, wo der Künstler noch heute lebt und arbeitet.

Dem Bronzeguss verpflichtet
Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule Innsbruck und einem zweijährigen Auslandsaufenthalt in der Schweiz kehrte er als freischaffender Künstler zurück in die Heimat. 1969 ging er an die Brüsseler Kunstakademie, da laut seinen Worten „München und Wien schon wegen der Sprache“ zu nah waren. Die Kunstakademie schloss er 1971 mit den höchsten Auszeichnungen ab. 2009 erhielt er den Berufstitel Professor. Seit Anfang der Neunzigerjahre beschäftigt sich Agreiter primär mit dem Bronzeguss, wobei fast alle Werke von ihm selbst in seiner eigenen Gießerei gegossen wurden. „Der archaisch anmutende Prozess des Gusses, welcher durch Feuer, Rauch und durch immense Hitze flüssig gewordenes Metall geprägt ist, wurde zu einer Sucht, die mich nicht mehr loslässt“, erzählt Agreiter voller Emotionen im Gespräch mit der “Krone“.

In der selbstgewählten Isolation
Für Agreiter, dessen Lebensweg nicht nur von großem Talent und viel an Fleiß gekennzeichnet ist, sondern auch Würze durch seinen Humor erhält, ist „arbeiten zu dürfen“ eine Gnade. Auch die Pandemie mit ihrer sozialen Kontaktlosigkeit stört den Künstler wenig. Hat er sich ja vor Jahren dazu entschlossen, mit seiner Lebenspartnerin in Steinberg am Rofan in eine „selbstgewählte Isolation“ zu gehen, wie er abschließend mit einem Lachen mitteilt.

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