Alle jene, die etwa der Meinung sind, unter ihrer Führung wäre der LASK niemals am Tabellenende oder ihr Lieblingsverein doch viel besser platziert, können nun mit dem EA Sports' Platzhirsch "Fußball Manager 11" ihr Glück versuchen. Die Auswahl an lizenzierten Teams ist riesig. Neben der höchsten österreichischen Liga können auch Mannschaften der ersten Liga ausgewählt werden. Schade nur, dass die Trainernamen der Fantasie entsprungen sind.
Wer nicht einfach bei Null einsteigen möchte, darf auch mitten in der Saison - basierend auf den realen, aktuellen Ligadaten - beginnen. Diesen Services gibt es allerdings nur gegen eine zusätzliche Gebühr.
Nach Auswahl der Lieblingsmannschaft geht es an die Gestaltung des eigenen Alter Egos. Wer sich nicht allzu lange mit dem digitalen Ebenbild aufhalten mag, nimmt einfach eine der vorgefertigten Grafiken. Dankenswerterweise wird danach noch die Möglichkeit geboten, sich gleich zu entscheiden, welche Bereiche von KI-gesteuerten Assistenten übernommen werden sollen. Ein weiteres Feature, das vom Tester gerne deaktiviert wurde, war der Bereich Privatleben. Nettes Beiwerk für diejenigen, die einfach alle Lebensbereiche simuliert haben möchten, aber eigentlich interessieren Transfers, Training, Aufstellung sowie Taktik wesentlich mehr.
Die Menüführung ist gelungen und bietet vor allem auch Einsteigern die Möglichkeit, sich leicht zurechtzufinden. Jedes Detail des Manager- oder Trainerlebens scheint irgendwo im Spiel seinen Eingang gefunden zu haben. Im Taktikbereich dürfen neben den allgemeinen taktischen Vorgaben und Einzelanweisungen an die Spieler, ja sogar die Laufwege festgelegt werden. An sich eine sehr gute Idee, die noch mehr Varianten ermöglicht. Wer gleich zum ersten Spiel springen möchte, lässt das Aufbautraining von den digitalen Mitarbeitern erledigen.
Nach ein paar mehr oder weniger aufbauenden Worten an die Mannschaft geht es auf das Spielfeld. Das grafisch Dargebotene scheint leider auf dem Stand des Vorjahres stecken geblieben zu sein. Das ist zwar ärgerlich, aber es kommt noch viel schlimmer. Die Spieler laufen teilweise umher, als hätten sie komplett die Orientierung verloren. Nicht einmal die LASK-Defensive bot im Herbst ein derart jämmerliches Bild.
Das und die Tatsache, dass man als Trainer öfter als einem lieb ist auf der Tribüne landet, sorgt für ordentlich Frust. Inzwischen gibt es allerdings ein Update, dass vor allem das Trainerausschlussproblem behebt. Die Spieler am Feld verhalten sich nun auch etwas besser, sind bei Weitem noch nicht so gut unterwegs wie beim Konkurrenten "Football Manager 2011". Kurzum ist das Herzstück eine ziemlich große Enttäuschung.
Eine nette Abwechslung bietet hingegen die Option, die WM in Südafrika zu spielen. Auch der Online-Modus ist wieder mit von der Partie. Nun sind dort auch Aktionskarten verfügbar, mit denen Einfluss auf das Spielgeschehen genommen werden kann.
Die grafische Aufmachung ist durchaus stimmig. Im Gegensatz zum Konkurrenten der stark auf schlichte Seriosität setzt, wird hier dem Auge eine teils fernsehgerechte Präsentation geboten.
Während schon die Kommentatoren für sanftes Grauen sorgen, da ihre Aussagen mit dem Spielgeschehen mitunter wenig zu tun haben, schießt ein Fangesang, der eigentlich zur Atmosphäre beitragen sollte, den Vogel ab. Man stelle sich vor, Austria spielt gerade gegen Mattersburg und plötzlich ist zu hören: „Ihr werdet nie deutscher Meister, nie deutscher Meister!“. Ein peinlicher Fehler, der nicht passieren hätte dürfen.
Fazit: 10 Jahre gibt es die "Fußball Manager"-Serie von EA Sports nun schon. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr machen die Entwickler der Konkurrenz aber ein riesiges Geschenk. Die vielen kleineren und größeren Fehler, die mit Updates jetzt nach und nach behoben werden, trüben das Spielvergnügen empfindlich. Dabei wären die Voraussetzungen sehr gut gewesen: Eine riesige Auswahl lizenzierter Teams, eine ansprechende Präsentation, eine gute Benutzerführung sowie ein Online-Modus und ein WM-Part stellen auch anspruchsvollere Naturen zufrieden. "Fußball Manager 11" bleibt ein gutes Spiel, das zwar nicht mehr besser als der Konkurrent "Football Manager 2011" ist, aber aufgrund seiner leichteren Bedienbarkeit die breitere Masse ansprechen dürfte.
Plattform: PC (getestet)
Publisher: EA Sports
krone.at- Wertung: 8/10
von Harald Kaplan
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