15.12.2010 13:04 |

Kleine Sensation

Erster schwarzer Abgeordneter in Polens Parlament

Der erste schwarze Abgeordnete im polnischen Parlament sorgt für Schlagzeilen im Land. Die Medien berichten groß über den aus Nigeria stammenden John Godson, auch in einer populären Fernsehshow war er schon zu Gast. Dabei will sich der 40-Jährige ganz bodenständig mit Familienpolitik befassen. Wie zwölf andere Politiker rückte er nach den jüngsten Kommunalwahlen in den Sejm nach.

Godson kam vor 17 Jahren als Missionar für die Pfingstbewegung nach Polen, eigentlich wollte er nur zwei Jahre bleiben. Aber schon bald nach seiner Ankunft verliebte er sich in Aneta, mit der er inzwischen vier Kinder hat. Ihre Beziehung sei "traditionell", erzählt Godson, "meine Frau kümmert sich um das Haus, und ich gehe arbeiten".

Pfarrer wetterte gegen "Sektenführer"
Zunächst versuchte Godson, mit einer Sprachschule in einer Kleinstadt in Westpommern sein Geld zu verdienen. Aber der katholische Pfarrer am Ort habe ihm das Geschäft ruiniert: "Er hat von der Kanzel gepredigt, dass ich ein Sektenführer bin", so der 40-jährige. Deshalb zog er - schon im Besitz der polnischen Staatsbürgerschaft - in die Arbeiterstadt Lodz, wo er beruflich mehr Erfolg hatte. Vor drei Jahren trat er für die rechtsliberale Regierungspartei Bürgerplattform (PO) in den Stadtrat ein.

Godson beeindruckt seine Kollegen und die Wähler durch seinen Fleiß und seine Offenheit. Nach eigenen Angaben steht er um 4 Uhr in der Früh auf und beantwortet die etwa 100 E-Mails, die er täglich bekomme. In einem beliebten polnischen Internet-Portal hat er 26.000 Bekannte.

Godson nimmt sich kein Blatt vor den Mund
Offen ist der ehemalige Missionar auch dann, wenn er manchmal gesellschaftliche Konventionen verletzt. So verzichtete er bei seiner Vereidigung auf die Formel "So wahr mir Gott helfe", weil er sich der Hilfe Gottes sicher sein könne. Für seine Frau habe er sich entschieden, weil sie nicht nur gottesfürchtig, klug und humorvoll, sondern auch "unterwürfig" sei, sagte er in einem Interview. In einer Fernsehshow am Montag erklärte er, was ihm an den Polen nicht gefällt: "Sie sind oft nicht ehrlich", erklärte er. Dafür lobte er die Gastfreundschaft in seiner neuen Heimat. Allerdings sei er wegen seiner Hautfarbe auch zweimal auf der Straße zusammengeschlagen und beschimpft worden. "Aber für mich ist das kein Rassismus, ich nenne das mangelnde kulturelle Kompetenz."

Im Sejm will sich der Abgeordnete für kostenloses Internet, besseren Schutz für arbeitende Mütter und die Rechte von alten Menschen einsetzen. "In Polen gibt es keine Achtung für Ältere, das ist ein Fehler", so Godson. Dabei gibt er offen zu, dass seine Karriereambitionen noch lange nicht befriedigt sind: "Lincoln bemühte sich 30 Jahre um die Präsidentschaft, ich glaube, dass auch ich weiter Erfolg haben werde", sagte er einem Nachrichtenmagazin.

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