20.02.2021 06:00 |

Nach Fluchtversuchen

Wie (un)sicher sind die steirischen Gefängnisse?

Nach den beiden Ausbruchsversuchen aus der Grazer Karlau stellen sich viele die Frage, ob der steirische Strafvollzug die Bevölkerung vor gefährlichen Insassen schützen kann.

Der Entzug der Freiheit gilt als die schlimmste Strafe für den Menschen. Kein Wunder also, dass Häftlinge immer wieder vom Drang, auszubrechen oder zu flüchten, getrieben sind. „Ausbrüche und Fluchten hat es immer schon gegeben“, erklärt Gerhard Derler, der stellvertretende Leiter der Grazer Karlau. „Hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht.“

Gerade in den letzten Wochen musste er oft erklären, wie es Insassen zweimal binnen kurzer Zeit und auf dieselbe Art beinahe nach draußen schaffen konnten. Dabei wird seit 1993 die Hochsicherheitsanstalt kontinuierlich in Sachen Sicherheit aufgerüstet, die Technik modernisiert. Doch was tun, wenn das Mauerwerk einfach nicht standhält? Schon lange stehen die Pläne für die Generalsanierung, die zum Teil schon begonnen wurde. Doch zwischendurch flossen vom Bund keine Gelder mehr, die Sanierung lag auf Eis.

„Brauchen dringend Verstärkung“
Bis zu jenen Vorfällen, die die Dringlichkeit der Maßnahmen unverblümt aufzeigten. Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt, die Sanierung wird vorgezogen, jetzt schon werden Häftlinge in andere Anstalten verlegt. Etwa auch in die JA Jakomini. Was für die Beamten dort natürlich auch Herausforderungen bringt. „Es ist löblich, wenn auf die Vorfälle in der Karlau reagiert wird. Bei uns ist das leider anders, wir benötigen dringend Verstärkung und vor allem eine Sicherheitsabteilung“, appelliert Mario Raudner, Vorsitzender des Dienststellenausschusses.

45 Nationen auf engstem Raum inhaftiert
Auch Raudner weiß, dass vor allem die große Anzahl an unterschiedlichen Nationen in den Haftanstalten großes Konfliktpotenzial birgt. „In der Karlau sind es 45 Nationen mit unterschiedlichsten Kulturen und Wertevorstellungen, und das auf engstem Raum. Hinzu kommen oft Drogenabhängigkeit und andere Suchtprobleme“, sagt Derler. Trotzdem ist er überzeugt, dass die Sicherheit nach außen gewahrt ist: „Das haben auch die Ausbruchsversuche gezeigt. Es ist immer gelungen, die Insassen noch am Anstaltsareal zu fassen, eine Gefahr für die Bevölkerung hat es zu keiner Zeit gegeben.“

Monika Krisper
Monika Krisper
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