Niedrig-Zinsen

Schulden sind derzeit so billig wie noch nie

Wirtschaft
13.02.2021 12:43
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Im Vorjahr musste die Republik zur Finanzierung der Hilfspakete und Steuerausfälle 63 Milliarden Euro an frischem Geld am Kapitalmarkt aufnehmen, doppelt so viel wie davor! Heuer rechnet Markus Stix, Chef der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), dass es sogar weitere 65 Milliarden werden. Dafür müssen wir aber nur 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Zinsen zahlen. 

„Das sind Alltime-Höchstwerte. Für 2022 hoffe ich nicht auf das gleiche Niveau, aber wir kommen sicher nicht auf frühere Werte zurück“, so Stix. Schon alleine, weil rund ein Drittel der neuen Darlehen kurzfristig zurückgezahlt werden müssen. Zwei Drittel der Schulden aber holt sich die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur OeBFA wie gewohnt über den Verkauf langlaufender Staatsanleihen. Mit verblüffendem Ergebnis: Weil Österreich als sehr sicherer Schuldner gilt, verlangten die Investoren für die neu aufgenommenen 63 Milliarden Euro nichts, sondern zahlten sogar etwas an die Republik!

Stix: „Wir haben im Vorjahr 1,9 Milliarden Euro an Zinsen bekommen, weil wir die Finanzierungen mit minus 0,32% tätigen konnten.“ Noch vor zehn Jahren wollten Anleger rund drei Prozent Rendite kassieren (siehe untere Grafik). Auch insgesamt ist der Effekt der weltweiten Niedrigzinspolitik ein Segen für das Budget. Seit 2010 sank der Durchschnittszins, den Österreich zahlen muss, von 4,1% auf 1,5%, „und heuer werden wir sogar weiter fallen“. Der Anteil der Ausgaben für die Staatsschulden schmolz dadurch von 2,3% auf 1% des BIP oder in Euro gerechnet von sieben Milliarden Euro auf zuletzt nur noch vier Milliarden Euro.

Klar, dass Bundesfinanzierungschef Stix diesen Vorteil möglichst lange nutzen will. „Wir verwalten 238 Milliarden Euro mit im Schnitt zehn Jahren Laufzeit, das ist international recht lange. Ältere, höher verzinste Papiere werden daher sukzessive durch billige ersetzt. Wir konnten sogar schon eine Staatsanleihe mit 100 Jahren Laufzeit zu nur 0,85% Zinsen platzieren. Das hätte man vor ein paar Jahren nicht geglaubt.“

Zitat Icon

Es gibt eine exorbitante Nachfrage nach österreichischen Staatsanleihen.

Markus Stix

Da aber alle Staaten der Welt jetzt riesige Summen brauchen, wieso gibt es dann genug billiges Geld? Hauptgrund ist die EU-Zentralbank EZB. Sie kaufte bisher europaweit Staats- und Unternehmensanleihen um 3700 Milliarden Euro an, um günstiges Kapital in die Wirtschaft zu bringen. De facto also nimmt die EZB alle Staatspapiere auf, Großinvestoren wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Konzerne wissen daher, dass sie auch bei Minizinsen ein sicheres Geschäft machen. „Aus Österreich hat das Eurosystem derzeit 89,5 Milliarden Euro gekauft, großteils über die Österreichische Nationalbank.“

Markus Stix, Geschäftsführer der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur OeBFA
Markus Stix, Geschäftsführer der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur OeBFA(Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)

Heuer dürften so wieder die gesamten 24 Milliarden Euro, die von der OeBFA netto zusätzlich aufgebracht werden müssen (weitere 16 Mrd. Euro sind Umschichtungen von Altschulden), an die EZB gehen. Insgesamt werden es sogar 26 Milliarden sein, wodurch Österreich - trotz seiner Schulden - als Kapital-Exportland gilt!

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