31.01.2021 12:00 |

Steiermark History

Das Wunderrätsel der Frauenberger Madonna

Seit sechs Jahrhunderten pilgern Gläubige zur prächtigen Wallfahrtskirche im Ennstal. Ein „Mirakelbuch“ berichtet von wundersamen Heilungen durch die Statue der Gnadenmutter.

Während er hustete, riss er den Kopf hin und her. Zuweilen knurrte und bellte er wie ein Hund. Die Leute fürchteten, der Bub wäre besessen oder verzaubert, deshalb führte ihn Pater Lambert vor den Frauenberger Altar. Der 13-Jährige wollte die Muttergottes aber weder ansehen noch sich davor niederknien. Tags darauf - man schrieb das Jahr des Herrn 1709 - gab man dem Kranken Wachsstückchen einer Reliquie aus der Wallfahrtskirche. Und siehe da, „von nun an wurde er von seinem Elend nimmermehr geplagt“. So heißt es im Mirakelbuch der Pilgerstätte im obersteirischen Bergidyll nahe Admont, in einer Auswahl publiziert von Karl Hütter im Jahr 2013.

Die Gnadenmutter tat in den vergangenen Jahrhunderten vielfältige, unglaubliche Wunder; schwere Augenleiden wurden kuriert, blutige Messerstichwunden verschwanden über Nacht, Gelähmte konnten ihre Krücken unter Freudentränen in der Kirche zurücklassen. Als bei einer Prozession in Liezen des Jahres 1681 Böllerschüsse abgegeben wurden, explodierte ein Knaller vorzeitig. Ein Schmied aus dem Ort wurde an den Beinen schwer verwundet. In höchster Not gelobte er eine Wallfahrt nach Frauenberg - und die lebensbedrohlichen Verletzungen verheilten rasch.

Die Enns schwemmte die Marienstatue an
Seit mehr als 600 Jahren rufen Gläubige die Madonna mit dem Jesuskind an, um die sich die wundersame Entstehungslegende des Gotteshauses in Frauenberg rankt: Im Frühjahr 1404 schwemmte die Hochwasser führende Enns eine holzgeschnitzte Marienstatue am Fuße des Kulmberges an. Plötzlich leuchtete ein helles Licht - und die Figur konnte gefunden und aus dem Ufergestrüpp geborgen werden. Hartnid, Abt des Stiftes Admont, erfuhr von der Erscheinung, machte sich mit seinen Mönchen auf den Weg zur Madonna und stellte sie danach zur Verehrung in einem Seitenaltar auf.

Jedoch: Am nächsten Morgen war die Marienstatue verschwunden. Erst am Abend wurde sie durch ein weithin sichtbares Lichtspiel entdeckt - wieder an ihrer ursprünglichen Stelle. Maria wurde in die Stiftskirche zurückgebracht, tags darauf war ihr Platz allerdings verwaist - schon wieder. Diesmal tauchte sie auf der Höhe des Kulmbergs auf. Hartnid erkannte den „Fingerzeig“ von oben, beließ die Madonna an ihrem „Wunschort“ und errichtete dort eine Holzkapelle. Gebetserhörungen machten schnell die Runde, und schon 1410 wurde der Grundstein zur Frauenberger Kirche gelegt.

„Aus einigen Orten pilgern Menschen seit Jahrhunderten zu Fuß nach Frauenberg. Sie sind beeindruckt von der prachtvollen Lage und der Schönheit der Wallfahrtskirche“, sagt Pater Maximilian Schiefermüller, Pfarrer von Frauenberg.

Lokalaugenschein im Pfarrhof Frauenberg nach dem jüngsten Erdbeben
Mittlerweile hat sich auch ein tiefer, langer Riss an der Außenfassade des Pfarrhofes, der direkt neben dem Gotteshaus steht, gebildet. Die durch das Erdbeben am 20. Jänner in Mitleidenschaft gezogenen Räumlichkeiten - kostbare Fresken wurden beschädigt, Fensterscheiben zersplitterten - sind für Besucher gesperrt und dürfen nur von Sachverständigen betreten werden. Wie viel die Restaurierung kosten wird, ist noch unklar - die Gutachten werden gerade erstellt. „Die gute Nachricht: Die Statik ist in Ordnung, es ist alles reparabel“, atmet Maximilian Schiefermüller auf.

Dass die berühmte Wallfahrtskirche die Naturgewalt im Raum Admont völlig unbeschadet überstanden hat, ist für den Frauenberger Pfarrer und Pater Prior des Stiftes Admont „ein Wunder“: „Obwohl das Epizentrum unweit der Kirche war, stand keine einzige Kerze und kein einziges Bild schief. Die Gnadenmutter hat die Hand darauf gehabt, dass ihrer Kirche nichts passiert ist!“

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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