14.01.2021 18:00 |

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„WandaVision“: Skurrile Sitcom mit Superhelden

„WandaVision“ ist nicht nur Marvels erste Serie für Disney+, sondern vielleicht auch das ungewöhnlichste Projekt des Studios. Die Serie im skurrilen 30-minütigen Sitcomstil ist eine liebevolle Parodie klassischer Fernsehsendungen. Elizabeth Olsen und Paul Bettany spielen die aus den „Avengers“-Filmen bereits bekannten Superhelden Scarlet Witch und Vision, die in einer Vorstadtidylle gefangen sind. Es ist lustig, clever und auch irgendwie tragisch. Ab Freitag sind Episode 1 und 2 auf Disney+ verfügbar, Episode 3 folgt am 22. Jänner.

Die erste Folge von „WandaVision“ - dem ersten neuen MCU-Projekt seit „Spider-Man: Far From Home“ aus dem Jahr 2019 - beginnt in den 1950er-Jahren mit einem direkten Sprung ins Retro-Sitcom-Flair. „Dick Van Dyke Show“-artig komplett in Schwarz-Weiß mit Lachern aus der Konserve von einem echten Publikum. Die Frage, die sich verständlicher Weise dem Zuseher stellt, ist: Wo zur Hölle bin ich hier gelandet?

Neue Chance nach „Avengers“-Tod
Natürlich ist nichts so wie es scheint, vor allem deshalb, weil der übermenschliche Android Vision (Paul Bettany) nach „Avengers: Infinity War“ (2018) und „Avengers: Endgame“ (2019) immer noch sehr tot ist. In „WandaVision“ bekommt er aber die Chance, wieder quicklebendig zu sein und mit seiner Geliebten Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) alias Scarlet Witch, eine alternative Geschichte auszuleben.

Die beiden Superhelden leben in Glückseligkeit und versuchen, sich wie ganz normale Amerikaner zu verhalten. Sie haben gerade geheiratet, und er trägt sie in ihrem weißen Hochzeitskleid über die Türschwelle ihres neuen Hauses in Westview, einem idyllischen, amerikanischen Bilderbuchvorort.

Während Wanda mit ihren Kräften die Kochtöpfe in der Küche wie eine Superheldenversion von Lucille Ball in einem Satinkleid und Perlen schweben lässt, geht Vision, der eigentlich rote Haut hat, in seinem „Menschkostüm“ zur Arbeit. Jeden Tag scheint die Sonne und die Nachbarin Agnes (die großartige Kathryn Hahn) ist stinkfreundlich.

Ein roter Tropfen Blut bringt Farbe ins Sitcom-Leben
Als Zeichen der Veränderung kommt ähnlich wie in der 90er-Tragikomödie „Pleasantville“ (in der Menschen in die heile Welt einer 50er-Jahre-Serie transportiert werden) Farbe in ihr Leben. Ein roter Tropfen Blut verheißt nichts Gutes, und es schleichen sich Risse in die sorgenfreie Fassade ein.

In der dritten Folge springt die Serie dann in die 70er-Jahre mit bunten Farben und Glitzer. Wanda und Vision sind sich nicht ganz sicher, warum sie durch verschiedene Epochen der Fernsehgeschichte rasen, aber warum etwas ändern, wenn alles picture perfect ist?

Wie die beiden Hauptfiguren, die der Serie ihren Titel geben, ist „WandaVision“ extrem absurd und zwar im herrlichsten Sinne. Zumindest die ersten drei von sechs Folgen, geschrieben von der Showrunnerin Jac Schaeffer („Black Widow“) unter der Regie von Matt Shakman („The Good Wife“) sind kein actionreiches Feuerwerk, wie man es von den Marvel-Kinofilmen gewohnt ist. Es ist eine Mischung aus Drama und Komödie, die alte Sitcoms wie „The Dick Van Dyke Show“, „Verliebt in eine Hexe“ oder „Bezaubernde Jeannie“ parodieren.

Inspiriert von Comicreihen um Vision und Scarlet Witch
In einem Interview mit dem US-Branchenblatt „Variety“ hat der Präsident der Marvel Studios, Kevin Feige, betont, dass eine Comicreihe ihn besonders inspiriert hat: „The Vision“ von Tom King und Gabriel Hernandez Walta, in dem Vision versucht, ein „normales“ Leben in einem Vorort von Washington zu führen. Eine Fantheorie geht davon aus, dass es sich bei „WandaVision“ möglicherweise um eine lose Adaption der Marvel-Comic-Serie „House of M“ aus dem Jahr 2005 handelt. In „House of M“ hat Wanda, zu deren Fähigkeiten es gehört, die Realität verändern zu können, einen Nervenzusammenbruch und schreibt die Geschichte neu, um ihre verlorenen Kinder zurückzubringen. Letztlich sollten die Zuschauer die Serie am besten selbst erleben.

Disney hat jedenfalls die Hoffnung, dass „WandaVision“ für seine Comicfiguren das tun wird, was „The Mandalorian“ für das „Star Wars“-Franchise getan hat. Da muss eine Serie im Sitcom-Stil mit einem unheimlichen Ton unter dem Furnier, wie ein Film von David Lynch, ein großes Risiko gewesen sein - das sich ausgezahlt zu haben scheint. Die Handlung - und auch die Protagonisten - von „WandaVision“ werden jedenfalls direkt in die Geschichte kommender Marvel-Filme - die sich mittlerweile in Phase 4 ihres Masterplans befinden - wie die Fortsetzung von „Doctor Strange“ mit Benedict Cumberbatch und den vierten Film der „Thor“-Reihe mit Chris Hemsworth und Natalie Portman einfließen. 

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