Wegen Umleitung
Erzürnte Ryanair-Passagiere meutern per Sitzprotest
Mit drei Stunden Verspätung war der Flieger am Dienstag um 19.15 Uhr Ortszeit zunächst im marokkanischen Fes abgehoben, wie Passagiere in der Nacht auf Mittwoch berichteten. Die Maschine landete dann kurz vor Mitternacht - allerdings in Lüttich statt auf dem kleinen Flughafen in Beauvais nördlich von Paris, der wegen Nebels geschlossen werden musste. Doch weil die Fluggäste nicht über die Änderung informiert wurden, wie sie sagen, blieben mehr als 100 Passagiere, meist französische Touristen, aus Wut einfach sitzen.
Wie Polizei und Feuerwehr Mittwoch früh mitteilten, verließen die Passagiere erst nach vierstündigen Verhandlungen die Maschine. Die Crew hatte die meuternde Menge schon Stunden zuvor im dunklen Passagierraum ohne Getränke und mit verschlossenen Toiletten zurückgelassen. Trotzdem blieben auch Familien mit kleinen Kindern an Bord.
Piloten scherten sich nicht um Sitzprotest
"Das ist nicht hinnehmbar", sagte Kundin Mylène Netange. "Ohne uns zu warnen, ist das Flugzeug nicht in Beauvais, sondern in Lüttich gelandet." Der Geschäftsmann Reda Yahiyaoui, der mit seiner Frau und zwei Kindern unterwegs war, sagte, die Piloten hätten die Maschine einfach verlassen und dabei demonstrativ die Tür zum Cockpit offen gelassen.
"Die Verhandlungen waren so schwierig, dass wir nicht sicher waren, ob sie überhaupt rauskommen würden", sagte ein Feuerwehrmann. Die Leute seien "sehr wütend" gewesen. Aber schließlich hätten die Passagiere doch überzeugt werden können, das Flugzeug zu verlassen und im Flughafengebäude auf einen Bus zu warten, der sie nach Beauvais bringen sollte.
Ryanair beschwichtigt: "Reine Routine"
Ryanair-Sprecher Stephen McNamara konnte den Frust der Passagiere nicht nachvollziehen. Nach seinen Angaben war der Flughafen von Beauvais wegen Nebels geschlossen. Deshalb hätten alle Flüge nach Lüttich umgeleitet werden müssen. Die Passagiere von drei der vier Maschinen seien widerspruchlos ausgestiegen, um von Bussen nach Beauvais gebracht zu werden, nur die eine Gruppe habe aufbegehrt.
Laut dem Sprecher handelte es sich bei der Umleitung um eine "reine Routinemaßnahme". Wären die Passagiere den Anweisungen der Besatzung gefolgt, wären sie schon viel früher mit Bussen nach Hause gebracht worden.
Airline-Boss stets mit schrägen Ideen
Die irische Billiglinie und ihr Chef Michael O'Leary sorgen immer wieder mit unorthodoxen Sparvorschlägen für Schlagzeilen und Unmut: Unter anderem dachte O'Leary bereits über die Einführung einer Toiletten-Gebühr an Bord und Übergewichtszuschläge nach. Einmal will er eine Art dritte Klasse mit Sitzhockern einführen, dann wieder den Co-Piloten abschaffen.
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