Cholera-Epidemie
UN-Soldaten erschießen in Haiti 2 Demonstranten
Die heftigsten Unruhen fanden in der zweitgrößten Stadt Haitis, Cap Haitien, etwa 270 Kilometer nördlich der Hauptstadt Porte-au-Prince statt. Dort attackierten Hunderte Demonstranten die UN-Truppen mit Steinen, errichteten Straßensperren und steckten eine Polizeiwache in Brand. „Die ganze Stadt ist verriegelt, Geschäfte und Schulen haben geschlossen, Autos wurden verbrannt. Hier herrscht Chaos“, sagte ein örtlicher Geschäftsmann.
Soldaten gehen mit Tränengas gegen Demonstranten vor
Die Soldaten versuchten mit Tränengas und Warnschüssen die Lage in den Griff zu bekommen. Dabei sollen zwei Demonstranten ums Leben gekommen sein. Laut Augenzeugenberichten sind nepalesische UN-Soldaten für den Tod der beiden Männer verantwortlich. Die UN-Mission bestätigte, auf zumindest einen der verstorbenen Demonstranten geschossen zu haben. Die Schüsse seien aus Notwehr abgegeben worden, denn der Mann soll bewaffnet gewesen sein und auf den Soldaten gezielt haben. Der zweite Demonstrant, ein 20-jähriger Mann, soll tot „vor einem Stützpunkt“ der UN-Soldaten in Quartier-Morin gefunden worden sein. Er wurde durch einen Schuss in den Rücken getötet, so ein einheimischer Behördenverteter.
UN glaubt an politisch motivierte Demonstration
Die UN gab in einer Erklärung zu bedenken, dass es sich um politisch motivierte Demonstrationen handeln könnte. Der haitianische Präsident René Préval sieht sich kurz vor der Präsidentschaftswahlen am 28. November immer stärkerer Kritik ausgesetzt. Politische Gegner könnten die Demonstrationen dazu nutzen, um das Land zu destabilisieren und damit Préval weiter zu schwächen. Seit 2004 befindet sich die UN mit ihrer „Minustah“-Mission und 10.000 Soldaten in Haiti.
Immer mehr Cholera-Tote
Inzwischen ist die Anzahl der an Cholera gestorbenen Menschen auf 917 angestiegen. Allein am Montag wurden 46 Todesfälle registriert. 15.000 Menschen befinden sich immer noch in medizinischer Behandlung. Die Cholera verbreitet sich vor allem über verunreinigtes Wasser oder Nahrung und führt bei fehlender Behandlung schnell zum Tod.
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