23.12.2020 09:04 |

Todeszahlen steigen

Situation in den steirischen Heimen spitzt sich zu

Corona lässt die Zahl der Sterbefälle im Vergleich zu den Vorjahren massiv ansteigen. Zudem erntet eine neue Verordnung des Landes Steiermark für das Personal in den Pflegeheimen teils vernichtende Kritik.

Die Zahl der Corona-Todesopfer in der Steiermark steigt immer weiter: Gestern meldete die Landessanitätsdirektion wieder 50 neue Sterbefälle. 50 Menschen, 50 Schicksale, 50 Familien, die am Heiligen Abend auf einen geliebten Menschen verzichten müssen. Insgesamt forderte das Virus nun schon 1142 Opfer!

Fast 50 Prozent mehr Sterbefälle als vor zwei Jahren
Wie dramatisch sich die Corona-Situation in der Steiermark in den letzten Wochen entwickelt hat, zeigt sich auch bei einem Blick auf die generellen Sterbefälle. Bis auf wenige „Ausreißer“ während des ersten Lockdowns im Frühjahr lagen diese im heurigen Jahr trotz der Pandemie nur unwesentlich über oder in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Seit Mitte Oktober hat sich die Lage aber massiv verschärft - die Todeszahlen sind exorbitant angestiegen (siehe auch nachfolgende Grafik). Mit exakt 2856 Sterbefällen hat sich diese Zahl seit 12. Oktober etwa im Vergleich zu 2018 um fast 50 Prozent erhöht. Der Anstieg pro Kalenderwoche im Vergleich mit den vergangenen beiden Jahren ist nahezu 1:1 auf die Explosion der Zahl der Corona-Opfer zurückzuführen.

Besonders viele Tote in steirischen Heimen
Besonders betroffen sind die älteren Steirerinnen und Steirer - und dabei nehmen die 223 Pflegeheime des Landes natürlich eine Schlüsselrolle ein. Allerdings tauchen hier quasi im Wochentakt neue Cluster auf - zuletzt in einem Heim in Deutschlandsberg und in einem in Lannach. „Bekanntlich ist die steirische Struktur viel zu pflegeheimlastig, gleichzeitig gibt in keinem anderen Bundesland so wenig mobile Pflege und Unterstützungsangebote. Das erweist sich gerade in der Krise als besonders dramatisch für alle Betroffenen“, kritisiert hier die Grüne-Landtagsklubobfrau Sandra Krautwaschl.

Neuer Personalplan sorgt für Aufregung
Mit einer neuen Personalausstattungsverordnung (PAVO) für Pflegeheime will das Land Steiermark die prekäre Situation nun entschärfen. Die neue Verordnung soll eigentlich schon im ersten Quartal des kommenden Jahres in Kraft treten. Doch der Entwurf erntet herbe Kritik. Sowohl die Stadt Graz als auch Manuela Wlattnig, Patientenombudsfrau des Landes, äußern dagegen massive inhaltliche Bedenken. Beide Stellungnahmen liegen der „Steirerkrone“ vor. Der größte Kritikpunkt ist der neue Personalschlüssel, der eigentlich eine Verbesserung der Pflegequalität in den steirischen Heimen gewährleisten soll.

Pflegeombudsstelle legt Veto ein
Laut neuer PAVO kann dieser allerdings im Einzelfall um bis zu zehn Prozent unterschritten werden. „Eine solche Unterschreitung ist an maximal 30 Tagen innerhalb eines Kalenderjahres zulässig, wenn die Pflegequalität dadurch nicht beeinträchtigt wird“, heißt es im Entwurf. Eine Ausnahme, die von den Experten extrem kritisch gesehen wird. „Diese Möglichkeit einer Unterschreitung lässt befürchten, dass in der Steiermark im Vier-Stufen-Modell für Pflegequalität nur noch ’gefährliche Pflege - Stufe 1’ ausgeübt werden könnte“, heißt es dazu nämlich in der Stellungnahme der Pflege-Ombudsschaft.

Kritik auch aus dem Rathaus
Generell spreche man sich deshalb, „dezidiert gegen diesen Entwurf aus, da dadurch die Pflegequalität in der Steiermark massiv sinken würde und die Patientensicherheit nicht mehr gewährleistet wäre“. Der Bericht des Grazer Sozialamts an den Stadtsenat fällt nahezu ident aus. „Gute Pflege braucht ausreichend und zufriedenes Personal. Was hier vorliegt, bleibt aber nicht nur hinter den Erwartungen, sondern auch hinter den Erfordernissen zurück“, fasst der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) die Kritik aus dem Rathaus zusammen.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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