Doppelagent für USA

Russlands Spione vom eigenen Chef verraten

Ausland
11.11.2010 13:37
Ein im Sommer in den USA aufgeflogener russischer Spionagering, dem auch "Femme fatale" Anna Chapman (im Bild links) angehörte, ist einem Zeitungsbericht zufolge vom eigenen Chef verraten worden. Wie die russische Zeitung "Kommersant" am Donnerstag berichtete, wurde ein Mann namens Scherbakow, ranghoher Mitarbeiter des Moskauer Auslandsgeheimdienstes SWR, als mutmaßlicher Verräter ausgemacht.

Der mutmaßliche Verräter arbeitete dem Bericht zufolge zeitweise bei einer Geheimdiensteinheit, die russische Spione in die USA einschleuste. Er sei somit der Chef der zehn enttarnten Agenten gewesen, wie der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Sicherheitspolitik, Gennadi Gudkow, bestätigte. 

Der frühere Geheimdienstoberst habe dem Land "enormen Schaden" zugefügt, sagte Gudkow der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Der SWR war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Mit Familie in die USA abgesetzt
Dem "Kommersant" zufolge gab es im Vorfeld mehrere Hinweise auf Scherbakows Tätigkeit als Doppelagent, denen von den russischen Sicherheitsbehörden jedoch keine Beachtung geschenkt wurde. Demnach lebt Scherbakows Tochter in den USA. Er selbst verließ Russland und ging drei Tage vor einem Staatsbesuch von Staatschef Dmitri Medwedew bei US-Präsident Barack Obama in die USA. Nur wenige Tage nach Medwedews Aufenthalt wurden die Agenten dann festgenommen.

Zudem habe Scherbakows Sohn bereits kurz zuvor seinen Posten bei der russischen Anti-Drogenbehörde gekündigt und sei ebenfalls in die USA gezogen. Im vergangenen Jahr habe Scherbakow außerdem eine bedeutende Beförderung abgelehnt, schrieb das Blatt und mutmaßte, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits als Doppelagent tätig gewesen sei.

"Agententanz" auf dem Wiener Flughafen
Damit die Spionageaffäre die Beziehungen zwischen den USA und Russland nicht erheblich belastet, hatten beide Seiten an einer schnellen Lösung gearbeitet, um langwierige Gerichtsverfahren mit möglicherweise unangenehmen Enthüllungen zu vermeiden. Anfang Juli fand bereits der Austausch von vier Russen gegen die zehn in den USA aufgeflogenen Kreml-Agenten auf dem Wiener Flughafen Schwechat statt (siehe auch Infobox).

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