Memoiren aufgelegt

Waterboarding vereitelte laut Bush Terrorattacken

Ausland
09.11.2010 10:43
Anlässlich der Veröffentlichung seiner Memoiren "Decision Points" (Entscheidungspunkte) hat der ehemalige US-Präsident George W. Bush am Dienstag erneut erklärt, die Anwendung der umstrittenen Waterboarding-Folter bei Terrorverdächtigen sei gerechtfertigt. Durch die Befragungsmethode des simulierten Ertränkens seien tödliche Anschläge in den USA, aber auch in Großbritannien verhindert worden, erklärte Bush in einem Interview mit dem TV-Sender NBC.

"Drei Leute wurden Waterboarding unterzogen, und ich glaube, dass diese Entscheidung Leben gerettet hat", sagte Bush. In seinen Memoiren, die sich auf Schlüsselmomente in seiner Amtszeit als Präsident von Jänner 2001 bis Jänner 2009 konzentrieren, schreibt er, dass durch Waterboarding Anschläge gegen mehrere Ziele in den USA und auf US-Vertretungen im Ausland sowie auf Gebäude in Großbritannien verhindert worden seien. Dort seien konkret geplante Attentate auf den Londoner Flughafen Heathrow und den Bürokomplex Canary Wharf im Zentrum der britischen Hauptstadt aufgedeckt worden.

Wie schon vergangene Woche aus im Voraus veröffentlichten Buchauszügen bekannt wurde, ordnete Bush persönlich an, dass der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September, Khalid Sheikh Mohammed, dieser Folterpraxis unterworfen wurde. Seine juristischen Berater hätten ihm versichert, dass die Regierung mit der Methode keine Anti-Folter-Gesetze brechen würde. Darauf habe er vertraut. "Ich bin kein Anwalt", so Bush in dem Interview.

Bedingungslose Unterstützung durch Blair
Mit Blick auf den umstrittenen Einmarsch in den Irak 2003 lobte Bush die bedingungslose Unterstützung durch den damaligen britischen Premierminister Tony Blair. Er habe Blair angesichts eines drohenden Misstrauensvotums kurz vor dem Krieg geraten, seine Unterstützung zu überdenken, sagte Bush. "Ich wollte Tony und seine Weisheit und sein strategisches Denken lieber als Premierminister eines starken und wichtigen Alliierten, anstatt die Regierung zu verlieren." Blair habe aber nicht gezögert: "Ich bin dabei", habe er gesagt. "Wenn es mich die Regierung kostet, gut."

Auch generell hat Bush seine Entscheidung zur Irak-Invasion verteidigt. Er habe damals "wirklich keine Zweifel" daran gehabt, dass Iraks Diktator Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt habe, sagte Bush in einem Gespräch mit NBC. Es habe ihn geschockt und verärgert, dass letztlich keine solcher Waffen im Irak gefunden worden seien. Dennoch sei der Krieg - rückblickend gesehen - richtig gewesen: "Ich sage, dass es der Welt ohne Saddam Hussein an der Macht wesentlich besser geht."

"'Mission accomplished' war natürlich ein Fehler"
Als Makel bezeichnete der 43. Präsident der USA (2001 - 2009) jedoch, bereits kurz nach Beginn des Krieges einen Sieg erklärt zu haben. Damals war er an Bord des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln" vor einem Banner mit den Worten "Mission accomplished" (Mission erfüllt) aufgetreten. Wenig später spitzte sich die Gewalt im Irak zu. "Das war natürlich ein Fehler."

Bush hofft, als Erfolg in die Geschichte einzugehen
In dem Interview mit dem NBC-Moderator Matt Lauer sprach Bush auch erstmals seit dem Ende seiner Amtszeit über andere wichtige Ereignisse in seiner Präsidentschaft, darunter den Hurrikan Katrina, der 2005 erhebliche Verwüstungen in den Südstaaten anrichtete, die Terroranschläge vom 11. September 2001 oder die schwere Finanzkrise von 2008. Der Ex-Präsident gestand ein, "gelegentlich" Fehler gemacht zu haben, bezeichnete seine wichtigsten Entscheidungen aber überwiegend als richtig.

Er hoffe, dass seine Präsidentschaft als Erfolg in die Geschichte eingehen werde, sagte Bush. Er werde nicht mehr lange genug leben, um das endgültige Urteil der Geschichte über ihn zu hören, erklärte Bush, gab aber zu bedenken, dass auch Ronald Reagan einst als Dummkopf und Kriegstreiber verunglimpft worden sei, dann jedoch als großer Rhetoriker, der den Kalten Krieg gewann, in die Annalen einging.

Seit dem Ende seiner Amtszeit hatte sich Bush praktisch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Mit der Buchveröffentlichung kehrt er ins Rampenlicht zurück, US-Medien reißen sich um Interviews mit dem Ex-Präsidenten. Von dem 497 Seiten starken Buch sind in erster Auflage rund 1,5 Millionen Exemplare gedruckt worden.

Ex-Präsident bei US-Bürgern nach wie vor unbeliebt
Ob Bushs Memoiren dazu angetan sind, die Gunst der Bevölkerung zurückzuerlangen, bleibt abzuwarten. Bush war unbeliebt, als er aus dem Amt schied, und er ist es noch. In einer gemeinsamen Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts GfK im September sahen ihn 55 Prozent in keinem guten Licht, 51 Prozent machten ihn für die Wirtschaftskrise verantwortlich, die während seiner Amtszeit begann.

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