Schwere Vorwürfe

Weiter Wirbel nach Hauseinsturz im antiken Pompeji

Ausland
08.11.2010 11:57
Nach dem Einsturz eines Gebäudes in der antiken Stadt Pompeji ist der italienische Kulturminister Sandro Bondi arg unter Beschuss geraten. Sollte Bondi nicht sofort zurücktreten, will die Demokratische Partei (PD, Italiens stärkste Oppositionspartei) einen Misstrauensantrag gegen den Minister im Parlament einreichen. "Das eingestürzte Haus der Gladiatoren in Pompeji ist die Metapher für das Italien von Regierungschef Silvio Berlusconi", kommentierte Italiens Oppositionschef Pierluigi Bersani. Seit Jahren warnen Behörden vor dem steten Verfall des Weltkulturerbes.

Bondi, der ohnehin schon wegen der starken Ausgabenkürzungen im Kulturbereich im Visier der Opposition steht, sieht sich ohne Schuld und erklärte: "Wenn ich auf irgendeine Weise für den Einsturz in Pompeji verantwortlich wäre, würde ich keine Minute länger warten und zurücktreten." Er kündigte an, über die Situation in Pompeji vor dem Parlament berichten zu wollen, und versprach einen außerordentlichen Plan zur Restaurierung der verfallenen Gebäude im archäologischen Gelände östlich von Neapel.

"Seit 40 Jahren wird nichts unternommen"
In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Klagen gegeben, dass sich die archäologische Stätte in einem Zustand des Verfalls befinde. Bondi hatte in der Vergangenheit mehr staatliche Mittel für die antike Stadt gefordert.

Kritisch über die Lage in Pompeji äußerte sich auch der Generaldirektor des italienischen Kulturministeriums, Mario Resca. "Seit 40 Jahren wird nichts mehr für die Instandhaltung Pompejis unternommen", klagte er.

Bei dem am Samstag eingestürzten Haus handelt es sich um ein etwa 40 Quadratmeter großes Gebäude, in dem Gladiatoren trainierten, bevor sie in einem nahe gelegenen Amphitheater auftraten. Das Haus brach am frühen Morgen zusammen, als sich keine Besucher in der archäologischen Stätte befanden. Die Behörden ließen das gesamte Gelände um das Haus abriegeln. Wasserinfiltrationen sollen für den Einsturz verantwortlich sein, berichteten italienische Medien.

Missmanagement nicht in den Griff zu kriegen
Seit Jahren warnen die Behörden vor die schwierige Situation in Pompeji. Ohne große Fortschritte würden schon seit längerem Teile der antiken Stadt restauriert, viele Bauten seien verfallen. In den vergangenen Monaten seien nur sechs der rund 1.500 Villen geöffnet worden. Die Hälfte der weltbekannten Pompeji-Ausgrabungen sind Touristen nicht zugänglich. Die Regierung hatte vor zwei Jahren einen Sonderkommissar ernannt, der das Missmanagement in den Griff bekommen sollte, doch bisher wurden nur sehr wenige Schritte gesetzt, um das Gelände zu schützen.

Pompeji steht seit 1997 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die antike Stadt im süditalienischen Kampanien, die am Golf von Neapel liegt, war 79 nach Christi Geburt beim Ausbruch des Vesuvs komplett von vulkanischer Asche und Bimsstein verschüttet worden. Die Reste Pompejis gehören zu den meistbesuchten Attraktionen Italiens.

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