"Vulgäre Worte"

Abschätziger Sager Berlusconis empört Homosexuelle

Ausland
02.11.2010 13:44
Der wegen einer Sexaffäre arg unter Beschuss geratene italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi verärgert mit herablassenden Aussagen die Homosexuellen in seinem Land. "Es ist besser, schöne Frauen zu mögen, als schwul zu sein", sagte der Regierungschef am Dienstag bei der Eröffnung einer Motorradmesse in Mailand.

Von dem Skandal um seine Partys mit einem minderjährigen Model zeigte sich Berlusconi nicht beeindruckt. "Alles wird sich in Nichts auflösen. Am Schluss wird herauskommen, dass ich nur aus Solidarität gehandelt habe, wie ich das immer tue", sagte Berlusconi. "Ich arbeite ununterbrochen. Gelegentlich passiert es, dass ich eine schöne Frau anschaue. Es ist besser, schöne Frauen zu mögen, als schwul zu sein."

"Beleidigende Macho-Kultur"
Die Worte des Ministerpräsidenten lösten heftige Reaktionen aus. "Die vulgären Worte des Ministerpräsidenten beleidigen nicht nur die Homosexuellen, sondern auch die Frauen, bei denen er sich entschuldigen muss", sagte Paolo Patane, Präsident des italienischen Homosexuellenverbands Arcigay. "Diese Worte sind Ausdruck einer rückständigen und beleidigenden Macho-Kultur, aus der klar eine Missachtung gegenüber der Menschenwürde hervorgeht", betonte Patane.

Die Opposition zeigte sich empört. "Berlusconi ist nicht mehr in der Lage, dieses Land zu regieren. Wir stehen vor einer verantwortungslosen Person, die sich stark zeigen will, dabei aber auf traurige und elende Weise ans Ende ihrer politischen Laufbahn geraten ist. Jeden Tag wird es offensichtlicher, dass Berlusconi dringend zurücktreten muss", so die Fraktionschefin der Oppositionspartei PD (Demokratische Partei), Anna Finocchiaro. Die Linksopposition kündigte an, dass sie einen Misstrauensantrag gegen Berlusconis Regierung im Parlament einbringen wolle.

"Le Monde" ortet "ständigen Skandal"
Die "wiederholten gerichtlichen und sexuellen Skandale" rund um das Privatleben Berlusconis schaden nach Ansicht der Pariser Tageszeitung "Le Monde" nicht nur dem Ansehen des 74-Jährigen, sondern auch jenem Italiens. "All das hat einen zu oft ignorierten Preis. Getroffen wird nicht nur das Image des Ministerpräsidenten, sondern auch jenes Italiens", heißt es in dem Leitartikel mit dem Titel "Silvio Berlusconi oder der ständige Skandal".

"Berlusconi schädigt das Image Italiens, das er nach und nach zu seiner Karikatur reduziert hat", liest man in dem Artikel, der fortfährt: "Mit seinem üblen Geruch eines sinkenden Reichs ehrt das Ende des Berlusconismus die Halbinsel nicht." Laut "Le Monde" sollten Berlusconis Regierungspartner Gianfranco Fini und Lega Nord "stopp sagen, um Italien und das, was vom Amt des Ministerpräsidenten bleibt, zu retten".

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