Kuriose Spots

Wahlwerbung in den USA: Mal extrem, mal komisch

Ausland
29.10.2010 12:51
Tom Campbell ist ein Wolf im Schafspelz. Mit gefährlich funkelnden roten Augen. Die Schäfchen jagt er mit Steuererhöhungen, sein wahres Gesicht verbirgt er hinter einer Schafsmaske. So stellte zumindest Carly Fiorina, Kandidatin für den Senatorenposten in Kalifornien, ihren ebenfalls republikanischen Rivalen im Vorwahlkampf dar. In ihrem TV-Werbespot (siehe Infobox) war der Gegner schlichtweg der Bösewicht. Dieser und andere kuriose Spots aus dem amerikanischen Kongresswahlkampf machen derzeit auf YouTube Furore.

Um Konkurrenten auszustechen und selbst aufzufallen, ist den Kandidaten fast jedes Mittel recht. "Es ist immer normaler geworden, politische Gegner mit negativen Spots zu attackieren", sagt Professor Ralph Begleiter vom Zentrum für politische Kommunikation der Universität Delaware.

Kandidatin mit Maschinengewehr
Republikanerin Pamela Gorman, die in Arizona für den Kongress kandidiert, setzt auf Schießübungen vor laufender Kamera. Sie präsentiert sich mit olivgrüner Mütze in der Wüste, ballert mit dem Maschinengewehr wild um sich (Bild li.). In der nächsten Einstellung lächelt sie seriös und heiter in die Kamera, sogar ihr Sohn greift in dem Spot zur Waffe (siehe Infobox).

In diesem Jahr wurden Schätzungen zufolge mehrere Milliarden Dollar in Wahlwerbung gepumpt - oft stehen eher unbekannte Organisationen dahinter, die die Gelder von Unternehmen und Lobbygruppen investieren. Einem neuen Urteil des obersten amerikanischen Gerichtshofs zufolge können die Lobbyisten anonym bleiben. Der Löwenanteil dieser Gelder fließt an Republikaner.

Republikanischer Rivale "ein Taliban"
Doch nicht nur die Investitionen sind gestiegen, auch die Skrupellosigkeit der Kandidaten hat zugenommen. Persönliche Attacken sind keine Seltenheit mehr. Alan Grayson, Abgeordneter des Repräsentantenhauses aus Florida, bezeichnet in seinem Spot (siehe Infobox) den republikanischen Gegenkandidaten Dan Webster als Taliban und religiösen Fanatiker. Die Aussagen belegt er mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten. Ben Quayle, Kongresskandidat aus Arizona und Sohn eines ehemaligen Vizepräsidenten, wiederum verkündet, dass Barack Obama "der schlechteste Präsident der Geschichte" sei (siehe Infobox).

Einschaltung mit Rechtschreibfehlern
Manche Spots sind aber auch so stümperhaft, dass sich die Kandidaten womöglich ihrer Chancen berauben. Basil Marceaux, der Gouverneur in Tennessee werden wollte, aber schon im Vorwahlkampf scheiterte, präsentierte sich in seinem Spot (siehe Infobox) mit lustiger Musik im Hintergrund vor dem Kapitol seines Staates. Hier nuschelt er seine Wahlversprechen in die Kamera, die vorsichtshalber noch einmal eingeblendet werden - Rechtschreibfehler inklusive.

So selbstverständlich Attacken auf Konkurrenten in der Wahlwerbung in den USA geworden sind - bei den Wählern scheint die negative Stimmungsmache nicht besonders gut anzukommen. "Das ist einer der gemeinsten Wahlkämpfe, die ich jemals gesehen habe - auf beiden Seiten", sagt Jane O'Reilly, 79, während sie in einem Fast-Food-Restaurant in Philadelphia mit ihrem Mann zu Mittag isst. "Alles ist negativ. Das spricht mich überhaupt nicht an."

Doch die Negativ-Werbung hat Wirkung, behaupten jedenfalls Experten. "Besonders negative Kampagnen können beim Wähler in letzter Sekunde Zweifel und Bedenken an die Oberfläche bringen", sagt Politikprofessor Begleiter. "Gegenkandidaten haben dann nicht mehr die Möglichkeit, die Behauptungen zu widerlegen."

Demokrat mit Bedürfnis zum Duschen
Neben scharfen Angriffen hat die amerikanische Wahlwerbung aber auch eine Menge Humor zu bieten. Der demokratische Kandidat für den Gouverneursposten in Colorado, John Hickenlooper (Bild re.), gibt in seinem Spot (siehe Infobox) zu: "Ich kann einfach keine negative Wahlwerbung ertragen. Jedes Mal, wenn ich welche sehe, muss ich duschen." Bis zum Wahltag am 2. November dürfte Hickenlooper also wohl einen Großteil seiner Zeit im Badezimmer verbringen.

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