Zugang zum Erdöl

Tod des Scheichs: Wilder Brüderstreit um Golf-Emirat

Ausland
27.10.2010 14:14
Ein erbitterter Streit zweier Halbbrüder um die Thronnachfolge im kleinen Golf-Emirat Ras al-Khaimah ruft auch die USA und den Iran auf den Plan. Das arabische Fürstentum hat zwar selbst kaum Öl, liegt aber an einem der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt, der Straße von Hormuz. Rund 20 Prozent aller Erdöltransporte passieren diesen Schifffahrtsweg. Die Übernahme der Amtsgeschäfte könnte damit sowohl für Washington als auch für Teheran zentral werden.

Der greise Scheich Sakr Bin Mohammed al-Kassimi (im kleinen Bild oben) starb am Mittwoch 92-jährig im Morgengrauen und läutete damit eine neuen Runde des erbitterten Bruderkampfes zwischen seinen Söhnen Khaled und Saud ein. Noch bevor der Vater beigesetzt werden kann, wendete sich Scheich Khaled auf seiner Website an das Volk von Ras al-Khaimah. Darin erhob er Anspruch auf den Thron und kündigte für die kommenden Wochen "Gespräche mit der Familie, den Freunden und dem Rat der Herrscher der Emirate" an.

Nachfolge offiziell geklärt
Zwar meldete die staatliche Nachrichtenagentur der Vereinigten Arabischen Emirate schon kurz nach dem Ableben von Scheich Sakr, der 54-jährige Halbbruder Saud sei zum neuen Herrscher bestimmt worden und genieße "die volle Unterstützung" der Oberhäupter der sechs anderen Emirate, von denen Abu Dhabi und Dubai die mächtigsten sind. Doch der 70-jährige Khaled will sich nicht so schnell geschlagen geben. Er hat bis heute nicht verwunden, dass ihn sein Vater vor sieben Jahren als Kronprinz abgesetzt und durch Saud ersetzt hatte. Er lebt im Exil im benachbarten Sultanat Oman und versucht seit Jahren, gegen Saud zu intrigieren.

So berichteten etwa britische Medien in diesem Sommer, Scheich Khaled habe mehrere Millionen US-Dollar für eine internationale Propagandakampagne gegen Scheich Saud bezahlt. In Washington sollte demnach der Eindruck erzeugt werden, Ras al-Khaimah unterlaufe die Sanktionen gegen den Iran und sei ein Transitplatz für islamistische Terroristen.

Nach wildem Streit aus Erbfolge ausgeschlossen
Was den Herrscher von Ras al-Khaimah 2003 dazu bewogen hat, seinen ältesten Sohn als Thronfolger abzusetzen, wurde offiziell nie mitgeteilt. Arabische Beobachter meinen jedoch, Scheich Khaled habe damals versucht, alle Projekte zu behindern, die sein Bruder Saud als Bürgermeister der Hauptstadt Ras al-Khaimah angestoßen habe. Dieser habe sich darüber bei seinem Vater beschwert, der Khaled daraufhin von der Erbfolge ausgeschlossen habe.

Fest steht auf jeden Fall, dass es Scheich Saud und dessen Bruder Faisal in den vergangenen Jahren gelungen ist, ausländische Investoren nach Ras al-Khaimah zu locken. Auch mehr als 200 deutsche Firmen haben sich in dem Null-Steuer-Emirat niedergelassen. Die Mieten sind in Ras al-Khaimah, wo etwa eine Viertelmillion Menschen lebt, deutlich niedriger als in den Emiraten Dubai und Abu Dhabi.

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