06.11.2020 08:55 |

In Den Haag angeklagt

Kosovos Ex-Präsident Thaci nach Ankunft verhaftet

Wenige Stunden nach seinem Rücktritt als Präsident des Kosovo und unmittelbar nach seiner Ankunft in Den Haag ist der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Hashim Thaci verhaftet worden. Der 52-Jährige und drei weitere Angeklagte seien in das Haftzentrum des Sondertribunals gebracht worden, teilte das Gericht zur Ahndung von Kriegsverbrechen während des Kosovo-Krieges am Donnerstagabend in der niederländischen Stadt mit.

Den Angeklagten werden neben Kriegsverbrechen auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, darunter knapp hundert Morde sowie Verschleppung, Verfolgung und Folter. Der 52-jährige Thaci wurde nach eigenen Angaben am Donnerstag über die Bestätigung der Anklage durch einen Richter informiert. Kurz darauf erklärte er seinen Rücktritt, „um die Integrität des Amtes des Präsidenten und des Landes sowie die Würde der Bürger zu schützen“, wie er in Pristina sagte. Anschließend verließ er das Land in einem Militärflugzeug in Richtung Niederlande.

Hochrangige Ex-Mitglieder der UCK in Haft
Thaci war früher Kommandant der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK), er weist die Anschuldigungen des Haager Sondertribunals zurück. Bei den drei anderen Angeklagten handelt es sich um den Ex-Sprecher der UCK, Jakup Krasniqi, den engen Thaci-Verbündeten Kadri Veseli sowie Rexhep Selimi, ein weiteres prominentes Mitglied der UCK.

Das 2015 in Den Haag eingerichtete Sondertribunal befasst sich speziell mit Verbrechen, die während des Kosovo-Krieges von 1998 bis 1999 begangen worden sein sollen. Das Gericht hatte im Jänner 2019 mit seinen Befragungen begonnen.

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