05.11.2020 12:13 |

Prozess in Den Haag

Nach Anklage: Kosovos Präsident Thaci tritt zurück

Der kosovarische Präsident Hashim Thaci hat am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt. Als Grund gab er vor der Presse in Pristina an, dass das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag die Anklage wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gegen ihn bestätigt hat. Der heute 52-Jährige soll als Oberkommandierender der Untergrundarmee UCK für Verbrechen an Zivilisten während des Unabhängigkeitskrieges 1998-1999 verantwortlich gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm in einer zehn Punkte umfassenden Anklage Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Thaci, der früher Kommandant der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) war, wird unter anderem des Mordes und der Folter beschuldigt. Er und weitere Beschuldigte sollen laut der Anklageschrift für knapp hundert Morde verantwortlich sein. Während des Kosovo-Krieges (1998 bis 1999) wurden mehr als 13.000 Menschen getötet.

„Politische Fehler“ begangen
Die Staatsanwaltschaft des Sondergerichts hatte Ende Juni 2020 eine Anklageschrift wegen Kriegsverbrechen gegen Thaci vorgelegt. Dieser wies die Anschuldigungen zurück. Er habe vielleicht „politische Fehler“ begangen, Kriegsverbrechen jedoch nie, beteuerte er. Vor seiner ersten richterlichen Anhörung vor dem Gebäude des Sondertribunals zur Ahndung von Kriegsverbrechen während des Kosovo-Krieges sagte er: „Ich bin bereit, mich der neuen Herausforderung zu stellen und für meinen Sohn, meine Familie, mein Volk und mein Land den Sieg davon zu tragen.“

„Glaube an Frieden durch Versöhnung und Gerechtigkeit"
Der 52-Jährige ist seit 2016 Präsident und war davor Regierungschef. In den vergangenen Jahren nahm er an Gesprächen über eine Normalisierung der Beziehungen seines Landes zu Serbien teil. „Ich glaube an Frieden durch Versöhnung und Gerechtigkeit“, sagte er im Juli dieses Jahres vor einer Anhörung.

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