Mehrere Tote

Rebellen stürmen das Parlament in Tschetschenien

Ausland
19.10.2010 07:20
Bei einem Angriff schwer bewaffneter Terroristen auf das Parlament der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien sind mindestens sechs Menschen getötet und 17 weitere verletzt worden. Mutmaßliche islamistische Aufständische stürmten Dienstag früh in der Hauptstadt Grosny das Gebäude, in dem wegen einer Sitzung viele Abgeordnete anwesend waren. Mittlerweile ist laut Präsident Ramsan Kadyrow wieder alles unter Kontrolle, die Angreifer seien getötet worden.

Das Fahrzeug mit den Rebellen sei vermutlich unbemerkt in einer Kolonne mit den Autos der Abgeordneten auf das Gelände gelangt, sagte ein Sprecher der Polizei. Dann töteten die Angreifer mindestens zwei Polizisten und einen Mitarbeiter des Parlaments und nahmen Geiseln. Zudem sprengte sich einer der Aufständischen in die Luft. Die Leitung des Parlaments und alle Abgeordneten konnten mit gepanzerten Fahrzeugen schnell in Sicherheit gebracht werden, berichtete das Staatsfernsehen.

Kadyrow: "Alle Terroristen wurden liquidiert"
Der kremltreue tschetschenische Republikchef Kadyrow sei kurz nach dem Angriff zum Tatort gefahren, um die Gegenmaßnahmen persönlich zu leiten, sagte der Polizeisprecher. In Moskau habe sich Innenminister Rashid Nurgalijew eingeschaltet.

Später vermeldete Kadyrow nach einem Telefonat mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin: "Alle Terroristen wurden liquidiert." Eine Sondereinheit der Polizei untersuchte das Parlament auf Minen, konnte aber nichts finden.

Immer wieder Anschläge und blutige Gefechte
Im russischen Nordkaukasus werden immer wieder Anschläge verübt. In den überwiegend muslimisch geprägten Teilrepubliken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien kämpfen seit Jahren radikalislamische Rebellen für die Unabhängigkeit von Moskau und liefern sich immer wieder blutige Gefechte mit kremltreuen Einheiten.

Tschetschenien ist dabei seit fast 20 Jahren der gefährlichste Unruheherd. 1994 marschierten russische Truppen ein, um den Souveränitätskurs zu beenden. In dem fast zweijährigen Krieg kamen nach Schätzungen bis zu 80.000 Menschen ums Leben. 1996 musste sich Moskau faktisch geschlagen aus der Republik zurückziehen und einen Waffenstillstand akzeptieren. Die Entscheidung über den künftigen politischen Status Tschetscheniens wurde aber aufgeschoben.

1997 unterzeichneten Russlands damaliger Präsident Boris Jelzin und der tschetschenische Militärführer Aslan Maschadow einen Vertrag über Frieden und die künftigen Beziehungen. Die Führung der Kaukasusrepublik interpretierte das Abkommen als Anerkennung seiner Unabhängigkeit.

Jahrelange Guerilla-Attacken nach zweitem Einmarsch
Moskau lehnte eine Souveränität Tschetscheniens aber weiterhin strikt ab und marschierte erneut ein. Nach einer zweiten militärischen Eroberung 2000 wehrten sich die Tschetschenen jahrelang mit Guerilla-Attacken. Terroristen trugen den Kampf immer wieder nach außen, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule in der Stadt Beslan 2004 mit Hunderten Toten.

Seit 2003 wird Tschetschenien von moskautreuen Präsidenten beziehungsweise Republikchefs beherrscht. Verwaltungschef Achmat Kadyrow starb 2004 bei einem Bombenanschlag. Seitdem regiert dessen Sohn Ramsan Kadyrow. Seine Regierung wird von Rebellen für einen islamischen Gottesstaat im Nordkaukasus mit immer neuen Terrorattacken bekämpft. Im vergangenen August leitete Kadyrow persönlich einen Einsatz gegen Aufständische, bei dem zwölf Islamisten und zwei Soldaten getötet wurden.

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